„Du selbst bist dein eigenes Problem.  Du musst verstehen und handeln, um das Mysterium des kleinen Selbst zu lösen, bevor du das Mysterium Gottes lösen kannst.“ (Der Fremde am Fluss)

Tote Steine zum Leben bringen ist nicht immer leicht.

Tote Steine zum Leben bringen ist nicht immer leicht.

Kennen Sie Go, oder Weiji, wie es die Chinesen nennen?  Go ist ein altes japanisches Brettspiel, bei dem abwechselnd schwarze und weiße Steine auf die Schnittstellen von 19×19 Linien gesetzt werden.  Ziel des Setzens ist es, Gebiete zu umgrenzen und für sich zu beanspruchen.  Am Ende gewinnt, wer mehr Punkte innerhalb umgrenzter Gebiete erobern konnte.

Einer der interessanten Aspekte dieses Spieles ist, dass Steine, einmal gesetzt, sich nicht mehr bewegen. Sie bleiben bis Ende des Spieles liegen, es sei denn, sie werden vom Gegner eingekesselt und dann ganz vom Brett genommen - getötet, wie man im GO sagt.  Und obwohl die Steine sich nicht mehr bewegen, hat es den Anschein, als täten sie es doch!  Je nachdem, wie sich das Spiel entwickelt, können sogar tote Steine plötzlich wieder lebendig werden.  Tote Steine nennt man eine Gruppe von Steinen, die selbst kein Gebiet umschließen, aber noch auf dem Brett liegen, weil sie noch nicht getötet wurden - vielleicht weil sich der Gegner das für später aufgehoben hat.

Was glauben Sie, folgt einem Studium der Geschichte?  Eine junge Frau, so las ich in der Zeitung, studierte Geschichte und promovierte in diesem Fach.  Danach folgten Anstellungen in Museen, Vorbereitungen für Ausstellungen und Durchführung anderer Events im Bereich Museum und Geschichte.  Schließlich wechselte sie das Metier und landete … in den Archiven von Firmen.  Ihre Aufgabe dort, ist die Sichtung der Geschichte der Firmen und die Aufarbeitung des Gefundenen für das, was man heute History Marketing nennt.  „Was’n das,“ werden Sie vielleicht fragen.  Naja, im Prinzip ist es dasselbe, als wenn im GO die eigentlich toten Steine wieder lebendig werden.  Die Frau, von der wir sprachen, muss sich zuerst duch Unmengen von Umzugskartons wühlen, die voll gestopft sind mit Belegen und Korrespondenzen.  Sie sichtet alles, entscheidet, was Ewigkeitswert hat und stellt das Material schließlich in chronologischer Folge zusammen.  Das Ergebnis wird in einem Findbuch aufgelistet.  Marketingstrategen nehmen sich dieses Findbuch, um es nach Ereignissen zu durchforsten, die sie beispielsweise zum Aufbau eines Firmenimages nutzen, oder die ein schon vorhandenes Image positiv unterstützen.

Als ich noch ein kleiner Junge und noch nicht mal Grundschüler war, wusste ich schon, was ich werden wollte: Tiefbauingenieur!  Ich wusste weder, was das ist, noch hätte ich es schreiben können.  Ich wusste nur, dass ich das werden wollte.  Und ich wurde manches, nur nicht das.  Kennen Sie das, dass man sich Ziele setzt und dann nicht erreicht?  Damit habe ich in meinem Leben oft gehadert.  Ich dachte abwechselnd, entweder keine Ziele zu haben, oder dass ich, wenn ich sie denn hatte, nicht anstrebte, geschweige denn erreichte.  So wie das mit dem Tiefbauingenieur.

Ich glaube, wir alle haben eine Reihe toter Steiner auf unserem Brett des Lebens liegen.  Vielleicht ist es an der Zeit, sie doch noch zum Leben zu bringen?  Wenn es im GO gelingt, die Gruppe der toten Steine mit einer anderen, eigenen Gruppe von Steinen zu verbinden, die leben, dann, wie man im GO sagt, kommen sie zu Leben.  Es ist also an der Zeit, zu unserem eigenen Archivar zu werden und ein Findbuch zusammen zu stellen und History Marketing in eigener Sache zu betreiben!

Ein Beispiel: Irgendwann saß ich in meinem Lkw auf Auslieferungstour und haderte mit meiner Vorstellung, einfach keine Ziele zu haben!  Ich fand das entsetzlich.  Während ich auf dem Weg zum nächsten Kunden war, fiel mein Blick auf meinen Fahrplan, auf dem die Reihenfolge der Kunden zusammen mit den geplanten Ankunftszeiten gelistet war.  Eines meiner Serviceangebote war, dass Kunden eine 0800-Nummer in meinem Büro anrufen konnten, wo sie auf 30 Minuten genau erfuhren, wann ihre Lieferung eintreffen würde.  Mir wurde plötzlich glasklar, dass ich jede Menge Ziele setzte, Tag für Tag, und sie in der Regel auch alle erreichte.  Ich hatte einfach eine völlig falsche Idee von mir selbst!

Ein zweites Beispiel:  Als ich Eckankar kennenlernte, meine Religion, war ich fasziniert von der Philosphie, dem Ideenreichtum und der Freiheit, die ich dort fand.  Ich griff mir jedes Buch, dass ich zu fassen bekam und studierte es … nein, ich (fr)aß es!  Immer tiefer bohrte ich mich in die Struktur, die Paul Twitchell oder Harold Klemp in Form von Büchern oder Vorträgen ausgestreut hatten.  Ich wurde ein regelrechter Tiefbauingenieur für das Verborgene in dieser Religion …

Ein drittes Beispiel: Als unser Sohn noch in den Kindergarten ging, hatte er einen gleichaltrigen Freund, der schon im Alter von vier Jahren sein eigenes Rasierwasser hatte - und Sie hätten erleben sollen, was los war, wenn es alle war!  Dieser Junge hatte eine interessante Art.  Immer, wenn seine Oma ihm Geld für ein Eis schenkte, steckte er es in seine Spardose - und ging dann zu seiner Mama, um sich Geld für ein Eis zu holen! Als sie ihn eines Tages fragte, was er denn mit all dem Geld auf seinem Sparbuch machen wolle, sagte er, “einen Bagger kaufen … einen richtigen!

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es Menschen ohne Ziele nicht gibt, aber es ist sehr gut möglich, dass man die eigenen Ziele nicht so leicht entdeckt - und trotzdem auf sie zugeht.  Es kann daher gut sein, dass man scheinbar eine Zeit lang nur herum treibt, obwohl man in Wirklichkeit in einer tiefgreifenden Phase inneren Umbruchs steckt, die sein muss, um dem eigenen, vielleicht unbekannten Lebensziel näher zu kommen.

Wenn ich etwas vorschlagen darf: Nehmen Sie sich ein bisschen Zeit für ein Studium ihrer eigenen Geschichte.  Schreiben Sie doch mal einen Lebenslauf - nur für sich selbst.  Stellen Sie ein Findbuch zusammen über das, was sie glauben, was in ihrem Leben Ewigkeitswert hat.  Ich bin sicher, sie werden staunen, was sich in ihrem Leben alles erfüllt hat … Dinge, die sie vielleicht nie auf ihrem Plan gehabt hatten.

Wir sind alle Träumer, und wir alle leben unsere Träume …