Ich träum’ mit Dir in den Himmel hinein- in den siebenten Himmel der Liebe.“

( kann gesungen werden)

"..., denn ich habe gelernt, zufrieden zu sein, ganz gleich in welchem Zustand ich mich befinde ..."

"..., denn ich habe gelernt, zufrieden zu sein, ganz gleich in welchem Zustand ich mich befinde ..."

Ich spüre, dass es bei diesem Thema um eine andere Art von Träumen geht. Sie müssen längerfristig sein, müssen mich geduldig tragen können.

Können sie mich auch bis ans Ende meines Lebens tragen? Dieser Gedanke ist faszinierend. Da ist ein Traum, ich erkenne ihn und ich folge ihm. Er lässt mich nicht los. Er ist mein Zielpunkt und mein Leben ist der Weg dorthin.

Das hört sich gut an.

Ich mache mich auf die Suche nach diesen Träumern und lande -  bei meinem Vater. Er wird in diesem Jahr 90 Jahre alt und ist seit 10 Jahren dement. In seinem Arbeitsleben liebte er seine Firma und diente ihr in aufrichtiger und hingebungsvoller Weise. Zuhause liebte er seine Kinder und vor allem seine Frau. In seinem Ruhestand liebte er seine inzwischen erweiterte Familie und immer noch ganz besonders seine Frau. Dann wurde er krank. Seine Liebe wurde eher hingebungsvoller. Er konnte nicht mehr darüber reflektieren. Es ist ihm nur sein Gefühl geblieben. Und ist nicht Liebe hauptsächlich dem Gefühl verbunden? Gelingt  ihm die Liebe, weil er in vollkommener Übereinstimmung mit seiner Seele ist? Weil er mit seiner Krankheit gar nicht anders kann, als seinem Gefühl zu folgen.

Es ist die Liebe, welche unseren Herzen Lebenskraft gibt und sie wachsen lässt. [...] Die einzige Art, in der du Liebe geben kannst, besteht darin, dich selbst damit anzufüllen, bis du ein Magnet der Liebe wirst. (Zitat aus: Der Fremde am Fluss von Paul Twitchell).“

Mein Vater ist inzwischen blind und inkontinent, das Essen muss ihm eingegeben werden. Er bittet freundlich um Dinge und bedankt sich  immer. Er wird nicht müde, seiner Frau zu versichern, wie glücklich er sei, dass sie seine Frau geworden sei. („ich bin so froh, dass du mein Weible geworden bist,… ich könnte fast weinen“). Dann küsst er ihr die Hand  -liebevoll und zart und sanft.  Und beginnt von vorne.

Erstaunlich ist seine Ausstrahlung auf andere. Die Menschen im Altersheim  kennen ja gar nicht den Menschen von früher. Den Menschen , der für uns unser Vater war. Sie kennen ihn nur krank. Aber stellen sie sich vor, Mitbewohnerinnen wollen ihn hüten, wollen gerne in seiner Nähe sein, versuchen, sich mit ihm zu unterhalten, fragen nach ihm.

Gerade konnten wir meine Mutter überreden, eine Reise zu unternehmen. Eine Pflegerin ist jetzt für mehrere Stunden bei ihm. Nun hält sie seine Hand und sonnt sich in den Liebesbezeugungen meines Vaters. Sie erzählt  mir, dass ihr noch nie in ihrem Leben so die Hand geküsst wurde.  Noch nie habe ihr jemand so ausdauernd und langanhaltend seine Liebe erklärt. Manchmal müsse sie fast weinen.

Mein Vater kann noch singen. Meistens - und bevorzugt ein Lied für eine längere Zeit. Seinem Zustand entsprechend singt er Kinderlieder, aber auch Marschlieder aus seiner Soldatenzeit. „Bin Soldat, fallera und hab’ ein Bart, fallera und hab’ ein Säbel  und ein G’wehr“. Diese einfühlsame und ganz besondere Pflegerin bat mich, ihr die Texte dieser Lieder aufzuschreiben, damit sie  mit ihm singen könne. Sie putzt ihn heraus und führt  ihn durchs Haus, und die Menschen freuen sich, diesen besonderen  Menschen zu sehen. Sie präsentiert ihn, wie andere ihre Kinder.

Die Liebe gibt seinem Herzen Lebenskraft. Er ist mit Liebe angefüllt und ist nun ein Magnet der Liebe. Da habe ich ihn also gefunden. Den Träumer, der seinen Traum lebt. Und das war gar nicht schwierig. Sie sind mitten unter uns und zeigen uns, wie es ist, - wie es werden kann. Es war so erstaunlich für mich, zu sehen, welche Wirkung es haben kann, wenn man zu einem Gefäß für die Liebe wird.

Eine Frage ist noch immer offen. Wie wird es mir gelingen können, mich jetzt dieser Liebe zu öffnen?

emg