Lebenswege sind wie Spuren am Himmel, die von Flugzeugen gemalt werden

Lebenswege sind wie Spuren am Himmel, die von Flugzeugen gemalt werden

Am Sonntag feierten wir Geburtstag. Wir hatten so den üblichen Kreis eingeladen. Viel Familie, mit der wir gern und häufig zusammen sind. Dieses Mal hatten wir aber auch alte Freunde eingeladen. Sie waren uns sozusagen ein paar Wochen zuvor über den Weg gelaufen und wir freuten uns auf ein Wiedersehen. Da waren sie also. Sie sahen aus, wie früher.  Na ja, schon auch älter.  Sie noch immer elegant und gesprächig, er ruhig  -  zu ruhig. Etwas irritierte. Ich kann gar nicht genau sagen, was mich irritierte. Wir hatten uns doch früher so gut verstanden.

Zuerst erzählte sie mir vom Tod ihrer Mutter und den Problemen, die daraus für  sie erwuchsen. Da wollte ich ihr gerne zuhören. Aber mein Mann wollte ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt wissen, was er nun mit den Weißwürsten tun solle. Sie wissen vielleicht auch, wie empfindlich Weißwürste sind. Ich musste mich darum kümmern. Nun, die gute Gelegenheit, mit ihr ins Gespräch zu kommen, war vertan.

Als ich später wieder ihre Nähe suchte, redete sie fast ausschließlich von Krankheiten. „Du kennst doch auch die … stell dir vor, die… und der, der macht es auch nicht mehr lang.“ Mir wurde ganz beklommen zumute. Fast hatte ich das Gefühl, es stehe mir nicht zu, gesund zu sein und mich wohl zu fühlen..

Ich fand an diesem Tag keine Ebene mehr, auf der ich mich mit ihr hätte treffen können. Sie war mir vertraut und doch so fremd. Warum bloß redete sie dauernd von Krankheiten und erzählte von Menschen, die ich doch gar nicht kannte, oder an die ich mich auch gar nicht mehr erinnerte.  Ich war gelangweilt neben ihr, aber mehr noch verstört und traurig.

Ihr Mann schien mir verstummt und … ich weiß nicht, wie ich das beschreiben kann. Er schien mir tief in seinem Inneren verschwunden zu sein. Wo war er? Ich fand auch zu ihm keinen Weg. Das tat mir weh.

Ich merkte aber auch, dass es mir nicht nur weh tat, sondern auch, dass ich nahe daran war, sie zu beurteilen und abzuwerten. Glücklicherweise wurde ich mir dessen bewusst. Solche Momente sind Geschenke für mich. Geschenke, die mir meine Seele schickt, oder mein Höheres Selbst oder der Heilige Geist oder wie auch immer Sie das nennen würden. Meistens fällt es nicht so einfach über einen herein. Vorher so … und jetzt so. Nein, es ist anders. Ich muss spüren, dass ich mich in einer besonderen Situation befinde. Etwas, das mich traurig oder glücklich macht oder auch irritiert. Dann kann ich einen Schritt zurücktreten - sozusagen. Ich kann  meine Seele bitten, mir das Besondere dieser Situation zu zeigen. Manchmal zeigt sich die Lösung sehr schnell. Das passiert oft dann, wenn ich meinen Verstand außen vor lasse. Ich kann aber auch Geduld üben und warten, was sich mir eröffnet.

Lebenswege sind wie Spuren am Himmel, die von Flugzeugen gemalt werden. Oftmals kreuzen sie sich nur. Manches Mal gehen sie eine gute Strecke lang parallel. Aber letztlich geht jedes Flugzeug und jede Seele ihren ganz persönlichen, einzigartigen Weg. Darüber bin ich glücklich.

Und meine Freunde?

Sie sind ihre Wege gegangen und ich bin meinen Weg gegangen. Und ist nicht jeder genau am richtigen Platz in seinem Leben?

emg