
Träume sterben nicht, sie werden nur unsichtbar ...
Können Träume zu Ende gehen?
Vor ein paar Jahren unterhielt ich mich mit einer guten Bekannten. Sie erzählte mir, dass in ihrem Beruf dieses und jenes plötzlich ausbliebe und auch ökonomisch die Dinge nicht wirklich gut aussahen. Allwissend wie ich manchmal sein kann, sagte ich nur, „dann wird sicher was Neues kommen.“
Zwei Jahre später hatte ich mit der gleichen Bekannten wieder ein Gespräch. Dieses mal erzählte sie mir von ihren Bemühungen, ihr Geschäft wieder auf Trab zu bringen. Sie sagte:
„Beim letzten mal hast du gesagt, es käme sicher was Neues und ich hab auf dich gehört. Aber es kam nichts Neues …“
Autsch! Mein erster Gedanke war, wie konnte ich nur so nachlässig Unfug als Wissen ausgeben?! Aber dann dachte ich darüber nach. Dass ich das besser nicht gesagt hätte, ist klar. Andererseits brachte mir diese Szene eine überraschende Erkenntnis: Warum sollte sich etwas ändern, wenn man doch immer das selbe macht? Weil Zyklen die Welt beherrschen! Zyklen sind gewissermaßen das Salz in der Suppe der Veränderungen.
Ja, ich glaube, alles unterliegt Zyklen: Jahre beginnen, durchlaufen ihren Wandel und enden. Produkte durchlaufen Lebenszyklen und werden an deren Ende aus den Regalen genommen. Menschen werden geboren, wachsen auf, werden erwachsen, dann alt und sterben schließlich. Alles was existiert taucht irgendwann im Strom der Ereignisse auf, treibt eine Weile im sichtbaren Umfeld und verschwindet dann wieder.
Aber Träume? Können Träume zu Ende gehen? Vielleicht. Aus meiner Sicht ist es aber immer so, dass mit jedem Traum Keime für neue, größere, vielleicht weitreichendere Träume an den Strand des Bewusstseins gespült werden, um dort nach fruchtbarem Grund zu suchen. Alles, was es braucht, ist die Bereitschaft eines einzelnen, diesem Keim einen Nährboden zu gewähren und mit ihm zusammen zu arbeiten. Schauen Sie sich die augenblicklich tobende Finanz- und Wirtschaftskrise an. Gewaltige Vermögen lösen sich in Luft auf - aber gleichzeitig entstehen genau dadurch Chancen zur Bildung von noch größeren Vermögen in dem genau gleichen Sektor, nach den genau gleichen Spielregeln, nur unter veränderten Bedingungen. Es ist wie die Mode der 70er Jahre, die plötzlich wieder modern ist.
Bevor ein Traum zu Ende geht, tauchen an seiner Seite neue Träume auf, neue Möglichkeiten, neue Chancen. Die Schwierigkeit liegt im Erkennen. Der Feind des Guten, sagt man, ist das Bessere. Und in dem wir zu sehr verteidigen, was wir für gut halten, treiben wir die Keime für neue Ideen auf den Grund von anderen, die über Nacht vielleicht genau dadurch zu unseren Konkurrenten werden und unser Gutes noch weiter in Frage stellen.
Nehmen Sie die große IBM. Als sie vor Jahren in eine große Krise taumelte, hieß es, schnell schlanker werden und sich von vielen Träumen und Mitarbeitern trennen. Für manchen Mitarbeiter war das das drohende Ende eines eigenen, persönlichen Traums. Fünf Mitarbeiter sahen das allerdings als die Chance ihres Lebens, ihren persönlichen Traum endlich zu leben. Sie besprachen sich mit dem wankenden Softwareriesen, der, für ihre Bereitschaft, selbst zu kündigen, einen Kredit zur Firmengründung bewilligte. Der Rest ist Legende und heißt SAP, einer der weltgrößten Häuser für Firmensoftware, an deren Markt alle fünf immer geglaubt hatten, und ihn als ihren Traum verwirklichten. Der Ausbruch der Krise bei IBM war der Beginn des Traumes von SAP.
Freilich geht das nicht immer so leicht von der Hand und so mancher ist an der Verwirklichung seines Traumes gescheitert. Karma mag das jemand vorschnell nennen, aber das ist Quatsch. Karma ist die Ursache für die Situation, in der der einzelne steckt, aber Karma ist neutral. Der Zweck von Karma, wie ich es sehe, liegt darin, dem einzelnen zu helfen, dunkle Punkte, die beim Leben seines Traumes im Weg stehen, zu erkennen, um sie beseitigen zu können. In vielen Fällen ist der dunkle Fleck vielleicht mangelhafte Disziplin. Aber es gibt auch noch andere Kandidaten wie Ärger, Gier oder Maßlosigkeit.
Ganz gleich, ob Träume zu Ende gehen oder nicht, Zyklen enden oder nicht, immer besteht die Chance, einen neuen, kreativen und goldenen Zyklus zu beginnen und einen neuen Traum zu leben.
Wenn Sie wie ich an die Kontinuität des Lebens glauben, dann glauben Sie ebensowenig wie ich an Glück oder Pech. Glück ist, sagt man, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft, und Pech ist, wenn man nur auf sein Glück vertraut hat.
In diesem Sinne: Bereiten Sie sich auf den Beginn neuer, noch größerer Aufgaben in Ihrem Leben vor. Ein neuer Traum hat schon begonnen …

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