Wirkliche Liebe erzwingt nichts.  Sie macht ein Angebot ...

Wirkliche Liebe erzwingt nichts. Sie macht ein Angebot ...

Das Ende der Kontrolle, hieß das 1994 erschienene Buch von Kevin Kelly, das das Zusammenwachsen von Maschinen mit den Gesetzen der Biologie untersuchte.  Hier heißt es:

Schon immer hat die Natur ihren Körper den Menschen zur Verfügung gestellt.  Zunächst verwendeten wir die natürlichen Materialien als Nahrung, Kleidung und Schutz.  Dann lernten wir, ihrer Biosphäre Rohmaterialien zu entziehen, um unsere neuen, synthetischen Materialen zu erzeugen.  Und jetzt überläßt uns  der Bios seinen Verstand - wir übernehmen seine Logik.

Aber wir beschäftigen uns mit der Frage, wie man seinen Traum lebt, da brauchen wir mehr als Logik!  Was wir brauchen, ist die Zusammenarbeit mit dem Heiligen Geist, dem Spirit, dem ECK, oder wie auch immer Sie das nennen wollen.  Nur: wie funktioniert das in der Praxis?  Wie arbeitet man mit dem Heiligen Geist zusammen?

Vor vielen Jahren beschlossen großer Bruder und Eltern meiner damaligen Frau, ein Restaurant zu eröffnen und wie sich das für südländische Familien gehört, wenn Papa ein Geschäft eröffnet, müssen alle Familienmitglieder mitarbeiten: meine Frau mit großem Bruder im Service, ihr kleiner Bruder, ihr Cousin und ich in der Küche.

Schon bald kam die Frage auf, das Brot für die Gäste weiterhin zu kaufen oder in Zukunft selbst zu backen.  Es wurde entschieden, selbst zu backen.

Schnell bildeten sich zwei Lager: Kleiner Bruder und Cousin auf der einen, meiner einer auf der anderen Seite.  Die Erstgenannten schnappten sich ein Backbuch mit Brotrezepten und fingen an.  Sie hatten als erstes Resultate.  Ich versuchte einen anderen Weg und fragte den Meister, den inneren Meister: Wie backe ich am besten Brot?

Bei Menschen, die mit Religion eher weniger zu tun haben, verursacht dieser letzte Satz regelmäßig Stirnrunzeln. Mindestens.  Dabei bedeutet, den inneren Meister zu fragen, nichts anderes, als sein Herz für die Liebe zu öffnen, die uns alle umgibt.  Wir suchen nach einer Kooperation mit dem Heiligen Geist, wenn Sie so wollen.  Im Christentum nennt man das  „dein Wille geschehe. “  Danach lässt man los und tut, was man für richtig hält und macht, was man macht, so gut man eben kann … im Vertrauen darauf, dass der Heilige Geist, das ECK oder die göttliche Liebe alles lenkt.  Von außen betrachtet mag das wie ein unnötiges Ritual ausschauen.  Ich habe damit andere Erfahrungen gemacht.

Der erste Gedanke, der mir kam, war, einen früheren Kollegen anzurufen und ihn zu bitten, mir zu helfen.  Der nämlich war Bäcker.  Er übte den Beruf zwar nicht mehr aus, war aber sehr erfreut, endlich mal wieder Gelegenheit zu haben, Brot zu backen.  Alleine ihm zuzuschauen war es schon wert gewesen, um seine Hilfe gebeten zu haben!  Auf der einen Seite zeigte er mir, was es bedeutet, Erfahrungen zu haben.

“Das Rezept,” sagte er mir,  “ist immer nur ein Anfang.  Das Mehl ist manchmal feuchter, dann brauchst du weniger Wasser, auch die Hefe ist ein Naturprodukt und unterliegt Schwankungen. Raumtemperatur und Feuchtigkeit schwanken ebenfalls.  Wieviel du am Ende tatsächlich brauchst, siehst du dann schon,” sagte er weiter und drückte dabei auf den vor ihm liegenden Brotlaib.  Dieser Exbäcker regte mich dazu an, Erfahrungen zu machen und Selbstvertrauen zu entwickeln - und, haben Sie nicht auch den Eindruck, dass das weit über das eigentliche Brotbacken hinaus geht?

Zum anderen zeigte er mir natürlich auch ein paar Sachen, die man in einem Backbuch für Hausfrauen nicht findet. Und das machte einen ebenso großen Unterschied.

Wie auch immer, schon sehr bald produzierte ich ein konkurrenzfähiges Brot …

Es dauerte nicht lange, bis meine beiden Kollegen die Lust am Backen verloren und mir das Feld überließen.  Wir hatten also selbstgebackenes Brot, das manchmal restlos gegessen wurde, manchmal zu einem guten Teil und manches mal kam eben alles unberührt wieder zurück.  Das Brot war Beigabe, also spielte das keine Rolle.  Und doch war es so, dass ich manchmal angefasst war, wenn Brot wieder in die Küche zurück kam.  Tatsächlich lugte ich manchmal zur Küchentür raus, um mir die Leute am Tisch anzuschauen, die „mein Brot“ nicht angefasst hatten.  Aber es gab auch Zeiten, in denen ich nichts dabei fand, wenn es zurück kam.  Manche mögen Brot, andere nicht.  Gab es einen Grund für meine unterschiedlichen Reaktionen?

Tatsächlich fand ich einen:  Wenn ich vor dem Brotmachen vergessen hatte, mein Herz zu öffnen, konnte ich die Reaktionen der Gäste nur dann annehmen, wenn sie alles gegessen hatten.  Wenn nicht, kränkte mich das.  Eitelkeit!  Das ist nicht leicht abzulegen, und, um ganz offen zu sein, damit kämpfe ich immer noch.

Ich machte es mir also zur Gewohnheit, schon vor dem Zusammenholen aller Zutaten ganz kurz innezuhalten, um diese Kooperation mit dem Heiligen Geist zu suchen.

Wochen später erzählte meine Frau von einem Gespräch mit Gästen.

„Wissen Sie,“ sagten die, „Ihr Brot alleine ist es wert, hier her zu fahren - auch 30 Kilometer weit …!“

Es ist eine interessante Sache, mit dem Heiligen Geist zusammen zu arbeiten.  Das sieht nur auf den ersten Blick einfach aus - vielleicht zu einfach, um es auszuprobieren.  Tatsächlich aber ist es schwierig und braucht Übung.  Aber vielleicht versuchen Sie es einfach mal …

rk-f