Wir sind die ewigen Träumer (Foto: Max Liebscher)

Wir sind die ewigen Träumer (Foto: Max Liebscher)

Mich interessiert das Thema Traum ungemein - und je häufiger ich darüber schreibe, desto mehr interessiert es mich.

Seinen Traum zu leben – wahrscheinlich versteht jeder etwas anderes darunter. Der eine wird es für eine Metapher halten, seine Sehnsüchte zu erfüllen, vielleicht reich zu werden und mächtig. Was bedeutet es für Sie?

Als ich den Titel für diese Domain wählte, den-traum-leben.de, hatte das mit einem Workshop zu tun, den meine Religion, Eckankar, in Mannheim veranstaltete. Der Titel des Workshops war Frische Luft für die Seele und, ich weiß nicht warum, mir schien, den Traum zu leben war das größere Ganze, in dem sich das Fischlein Frische Luft für die Seele sehr wohl fühlen würde.

Ich bin schon mehrfach nach Eckankar gefragt worden und wurde auch darum gebeten, mal ein bisschen was darüber zu schreiben, wie ECKisten, so nennt man die Studenten von Eckankar, leben. Hmm. Ich dachte, das hätte ich in diesem zu Ende gehenden Jahr schon ausgiebig gemacht :-)

Die Antwort auf diese Bitten ist einfach: ich kann nicht darüber schreiben, wie ein ECKist lebt! Ich kann nur darüber schreiben, wie ich lebe – oder wie ich die Dinge, die mich betreffen, sehe. Noch viel weniger fühle ich mich dazu in der Lage darüber zu schreiben, was Eckankar ist – wenn es Sie wirklich interessiert, müssen Sie es selbst heraus finden - aber warum sollten Sie, wenn Sie sich da wo Sie jetzt sind, wohlfühlen?

Was ich für mich über meinen Weg herausgefunden habe, ist, dass ich Seele bin – Seele, die einen Körper hat. Wenn Sie sich abends ins Bett legen und einschlafen, dann sind Sie im Grunde immer noch wach. Die Zeit, in der Ihr Körper schläft und Sie träumen, ist die Zeit, in der Sie als Seele in anderen Welten auf anderen Ebenen reisen. Sie machen Erfahrungen – in diesen Welten ebenso wie hier. Und das Ziel dieser Erfahrungen, egal ob hier auf der Erde, wenn Sie in Ihrem Körper wach sind, oder in den anderen Welten, wenn Sie träumen, ist, sich selbst als eben Seele zu erkennen. Als eine individuelle Einheit, unabhängig von einem Körper – unabhängig von jedwedem Körper. Sie sind mehr als eine Idee und mehr als Energie – aber, wie schon mehrfach erwähnt, solange Sie das nur lesen, ist es nur ein Märchen …

Aber, andersherum betrachtet, ist Seele, dieses verteilende Zentrum dessen, was aus dem Innersten nach außen strömt, die Ursache für Ideen, Erfahrungen, Gefühle und Handlungen aller Lebewesen. All diese Körper, die SIE hat und haben kann, sie alle sind im Grunde Spiegel – Spiegel, in der die Seele Ihre Träume betrachtet. Träume, die für SIE so real sein können, dass SIE gänzlich darin aufgeht und sich darin verliert.

Die Seele ist das, was im Shariyat Ki Sugmad, der Bibel von Eckankar wenn Sie so wollen, als der ewige Träumer bezeichnet wird – Den Traum zu leben meint für mich also nichts anderes, als sich als Seele zu erkennen, wirklich zu erfahren, und dann sein Leben in voll bewusster Zusammenarbeit mit dem heiligen Geist zu leben - nicht in einem Kloster, nicht in einem einsamen Plätzchen tief in der Wildniss oder einer Wüste, sondern mitten im Leben. Wir haben Berufe, in denen wir unsere ganze Kreativität zum Ausdruck bringen können. Wir haben Familien und Freunde, bei denen wir unserer ganzen von Herzen kommenden Liebe einen Ausdruck verleihen können. Wir leihen Geld und kaufen Häuser, wir begehen Irrtümer und müssen reparieren, wir werden geschieden, weil Zyklen zu Ende gehen, wir leiden, weil jemand von uns gegangen ist.

Wir leben unser Leben. So gut wir können. Wir leben unseren Traum - auch wenn es manchmal wie ein Albtraum wirkt. Wir verwickeln uns in Streitereien, geraten in Versuchung, wiederholen unsere Fehler und richten vielleicht ein heilloses Disaster an - bis wir irgendwann plötzlich loslassen und aufwachen und sagen:

Hey, ich bin Seele! Wie konnte ich das vergessen?

Und dann gehen wir daran, das zerbrochene Geschirr wegzuräumen, unsere Fehler auszugleichen und dort um Verzeihung zu bitten, wo wir unnötig heftig waren – und natürlich gewähren wir Vergebung dort, wo es am wichtigsten ist: uns selbst gegenüber!

Denn: wir lernen!

Sich als Seele zu erkennen ist nur die eine Hälfte des Weges. Sich als Seele bewusst zu bleiben ist der andere Teil - nicht weniger schwierig!

Es braucht unseren Alltag, es braucht unsere Arbeit, unsere Kollegen, unsere Probleme und Fehlentscheidungen, um uns genügend Erfahrungsfelder zu geben, auf denen wir die Stärke entwickeln können, die es braucht, um Seele zu sein … und zu bleiben.

Dieses ganz normale Leben ist der Stoff, aus dem wir unsere Träume weben – wir, die ewigen Träumer, die ihre Träume leben.