Wie hübsch ist ein Pilz? Und ob er sich selbst auch schön findet?
Alles beginnt und endet mit der Frage: Liebe ich mich selbst? Nehme ich mich selbst so an, wie ich bin? Und der Schlüssel zu allem ist die Frage: Wie finde ich heraus, wer oder was “bin ich?”
Es ist viele Jahre her, da fuhr ich auf dem Rücksitz eines sehr großen Autos. Draußen glitt die Nacht an uns vorbei und an meiner Seite saß das hässlichste Kind, das ich in meinem Leben je gesehen hatte. Es saß da und glotzte mich an, während ich selbst, fast gelähmt vor Entsetzen, allenfalls aus den Augenwinkeln zurück schauen konnte. Vielmehr versuchte ich, überhaupt nicht hinzuschauen!
So ging das eine Zeit lang, bis schließlich dieses Kind seine Hand auf mein Bein legte. Ich drehte meinen Kopf zur Seite, langsam, weil ich nicht wusste, wie ich mit dieser Situation umgehen sollte und schaute in große, leuchtende Augen. Eh ich mich versah, umarmte mich dieses hässliche Kind - aber es umarmte mich auf eine Weise, die mir die Tränen in die Augen trieb. Ich empfand eine solche völlig vorbehaltlose Liebe, das ich gar nicht anders konnte, als beschämt zu sein - und doch gleichzeitig so glücklich. Ich war geliebt. Es hielt mich lange und fest im Arm. Schließlich ließ es mich los.
Der Wagen hielt an und ich stieg aus. Der Himmel war dick schwarz und die Sterne hoch oben kleine Lichtnadeln, die nur wenig Schatten um mich herum zuließen. Ich überquerte den Bürgersteig und ging ins Haus. Drinnen stieg ich die Treppen zum ersten Stock hinauf, kam in ein Zimmer mit einer Tür zu einem Balkon, öffnete diese Tür und kaum war ich draußen, brach am Horizont ein unbeschreibliches, helles weißes Licht wie eine sich öffnende Kugel hervor. So gewaltig und so schön, dass ich sofort auf die Knie fiel. Das Licht rollte auf mich zu, brach über mich herein, strömte um mich herum, drang in mich ein, bis es mich ganz ausgefüllt und jede einzelne Zelle durchflutete hatte.
Dann wachte ich auf - erst auf dem Balkon, dann im Bett. Es war ein nächtlicher, spiritueller Traum gewesen. Lange lag ich noch da und schaute hinauf zur Decke. Das hässliche Kind aus meinem Traum an meiner Seite … das war mein Selbst.
Es sagt sich so leicht, dass man sich annehmen soll, dass man sich lieben soll - aber: wie macht man das? Konkret? Wenn Sie finden, dass Sie hässlich sind, dann empfinden Sie das eben so - egal, was gute Freunde anderes sagen. Wie also lerne ich, mich selbst zu lieben? Wie finde ich heraus, was es ist, dass ich lieben und annehmen soll?
Ich kann Ihnen darauf keine Antwort geben - vielleicht weil es soviele Antworten wie Lebewesen gibt?
Ich hatte dieser Tage ein langes Telefonat mit einer zauberhaften Künstlerin, bei dem es auch um genau diese Frage ging. Ich glaube, und das war auch mein Rat, den ich gegeben habe, man findet sowohl zu sich selbst als auch zu der Liebe für sich selbst, in dem man arbeitet! In dem man sich ein Ziel setzt und arbeitet - und nicht aufhört, bis man es erreicht hat. Wenn man sich auf den Weg macht, wird man im Grunde alles finden, was man braucht. Man wird lernen, wie wichtig Balance ist, denn ohne genügend Ruhepausen und Zeit für die Familie und Freunde macht das Leben keinen wirklichen Spaß. Sie werden immer wieder in knifflige Situationen kommen und Rat suchen - und Sie werden auf genau diese Weise nach Rat suchen, die für Sie die beste ist. Die einen bei Freunden, die anderen in Büchern, wieder andere in Kirchen, im Gebet, der Meditation oder der Kontemplation. Was auch immer Sie wählen entspricht Ihrer Persönlichkeit und ist in Ordnung.
Wenn Sie schludrig arbeiten, werden Sie das wissen - auch wenn alle um Sie herum Ihre Arbeit loben. Wenn Sie Erfolg haben, werden Sie (hoffentlich) gelernt haben, dass nicht alles von Ihnen alleine kontrolliert war, falls es überhaupt so etwas wie Kontrolle gab. Wenn Sie keinen Erfolg haben, werden Sie mehr Selbstvertrauen entwickeln müssen - und dergleichen mehr.
Sie können auch Bücher lesen. Darüber, wie man sich selbst liebt und annimmt. Aber alles, was Ihnen das bringen wird, ist noch eine Meinung. Sonst nichts. Damit will ich nicht sagen, Sie sollen keine Bücher lesen. Ich will nur darauf hinweisen, dass Sie in Büchern nicht die Wahrheit finden, sondern nur Text über die Wahrheit.
Sich ein Ziel zu setzen und alles dranzusetzen, es wahr zu machen, ist aus meiner Sicht nicht das schlechteste Tor, durch das man den Weg zu seinem eigenen Selbst gehen kann.


#1 by Jürgen on Samstag, 21. November 2009
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Lieber Raimund,
eine sehr wertvolle Erkenntnis, die Du da aus Deinem Traum mitgenommen und hier mit uns geteilt hast. Herzlichen Dank dafür! Du hast vollkommen recht, dass man die eigene Wahrheit und die Liebe zu sich selbst nur in sich finden kann. Ganz tief in unserer Seele wissen wir alle, wer wir sind, wohin wir wollen und wie viel wir wert sind!
Familie, Partner, Freunde, Lehrer, Kollegen, Lebensberater, Bücher und andere Medien - sie alle können uns lediglich Anregungen geben, wie wir die Stimme unseres Herzens wieder besser hören und unserem wahren Selbst wohlwollend ins Auge sehen können, das übrigens sehr schön ist, wenn wir tiefer schauen. Was es manchmal hässlich erscheinen lässt, ist nur die Angst!
Ich halte auch wenig davon, suchenden Menschen lediglich die eigene Meinung aufzudrängen. Damit ist ihnen nicht geholfen. Was aber helfen kann, sind die richtigen Fragen, die eine Beschäftigung mit dem eigenen, liebenswerten Selbst überhaupt erst möglich machen.
Wie Du ja weißt, habe ich ein E-Book geschrieben mit dem Titel “Wie lerne ich, mich selbst zu lieben?”. Und dieses Buch besteht in erster Linie aus einer großen Anzahl von Fragen rund um die Themen Selbsterkenntnis, Selbstannahme, Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Selbstsicherheit, Selbstbehauptung und Selbstverwirklichung. Hier einige Beispiele:
- Wie gut kennst Du Dich selbst?
- Wer warst Du?
- Wer bist Du?
- Wer willst Du sein?
- Wie siehst Du Dich?
- Kannst Du Dich selbst annehmen, wie Du bist?
- Was bist Du Dir wert?
- Was tust Du Dir Gutes?
- Vertraust Du Dir selbst?
- Wo findest Du Sicherheit?
- Lebst Du Dein Leben?
- Kannst Du Ja zu Dir sagen?
- Übernimmst Du Verantwortung für Dich?
- Bist Du ganz Du selbst?
Zu all diesen Fragen gebe ich Hinweise, wie man sie sich selbst in möglichst positiver Form beantworten kann. Denn letztlich waren alle Erlebnisse und ist jedes Verhalten für irgendetwas gut. Das zu erkennen ist der erste Schritt hin zu mehr Selbstliebe. Und wenn wir uns dann akzeptieren und angenommen haben, dann können wir auch beginnen, das zu verändern, was wir ändern wollen, damit wir uns selbst noch besser gefallen und uns offen im Spiegel ansehen und sagen können: “Ich hab’ Dich lieb!”
Ich wünsche Dir und allen Besuchern hier auf Deiner Seite, dass Ihr immer wisst, was für wunderbare und liebenswerte Menschen Ihr wart, seid, und immer sein werdet.
Jürgen
#2 by RK-F on Samstag, 21. November 2009
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Hallo Jürgen,
herzlichen Dank für den Kommentar. Ich freue mich sehr darüber. Hier noch der Link zu deinem E-Book:
http://www.leben-lernen-lieben.de/kaufen/wie-lerne-ich-mich-selbst-zu-lieben/
Schönes Wochenende noch
Raimund