Wenn ich in meinem letzten Beitrag darüber philosphiert habe, wie wichtig aus meiner Sicht Konzentration ist, will ich heute ein paar Gedanken zur Wirklichkeit äußern.
Ein Mann sitzt mit aufgestütztem Kopf am Tisch und grübelt. Gott schaut ihm eine Weile zu, dann fragt er:
„Worüber denkst du nach?“
„Hmmm,“ brummt der „ich überlege, wieviel wohl für dich eine Million Euro sind.“
Ohne zu zögern antwortet Gott: „Einen Cent!“
Der Mann nickt nachdenklich.
„Und wie lange dauert dann für dich eine Million Jahre?“
Und wieder antwortet Gott ohne zu zögern: „Einen Augenblick!“
Der Mann sitzt lange schweigend da. Schließlich fragt er: „Haste mal einen Cent für mich?“
Und Gott antwortet: „Klar, einen Augenblick bitte …“
Oft ist es nämlich nur ein frommer Wunsch, alles hinter sich zu lassen, um sich ganz dem zu widmen, was man gerne und wahrscheinlich sogar gut machen würde. Im Grunde sprechen wir hier über Karma! Etwas, das man verursacht hat. Es muss erst aufgelöst oder integriert werden.
In meinem speziellen Fall führe ich zum Beispiel 2 Blogs, diesen hier und meinen beruflichen. Darüber hinaus plane ich schon seit zwei Monaten den Aufbau einer Community, arbeite ich “on the fly” an der Ausarbeitung eines Businessplans und an einem Buch. Sieht vielleicht auf den ersten Blick nach einem Chaos aus, ist es aber bei näherem Hinsehen nicht. Die Teile passen recht gut zusammen. Soviel zur Theorie. Jetzt zur Praxis: Diesen Blog könnte ich aufgeben. Sofort. Er bringt kein Geld - was also soll ich damit? Aber zum einen liegt mir etwas an der Idee dieses Blogs, zum anderen … mein Ziel ist noch nicht erreicht! Mein Ziel endet am 31. Dezember - und alles davor wäre aufgeben, was nicht in Frage kommt.
Bin ich deshalb stur? Vielleicht. Ich habe aber gelernt, dass es sich fast immer bitter rächt, wenn ich vor Erreichen des Zieles aufgebe! Der Preis ist sehr hoch! Was aus meiner Sicht den meisten Menschen fehlt, ist Selbstvertrauen und man entwickelt kein Selbstvertrauen, wenn man aufgibt, was man hätte zu Ende bringen können.
Die Pädagogen haben einen interessanten Satz: „Erziehung ist eine kontinuierliche leichte Überforderung des Kindes“. Was auf den ersten Blick barbarisch klingt, ergibt bei näherem Hinsehen Sinn: Wenn man das Kind nur innerhalb der selbst gesetzten Grenzen belässt, entwickelt es sich kaum oder gar nicht, und was für Kinder gilt, gilt natürlich für uns alle. Ohne dass wir immer wieder an und über unsere Grenzen hinaus gehen, entwickeln wir uns nicht!
Vielleicht sieht es aus wie ein Fehler, auf dem Weg zu einem Ziel ein oder mehrere Projekte zusätzlich zu starten, aber andererseits ist es so, dass sich Gelegenheiten ergeben. Gelegenheiten, die man nutzt. Ich glaube, dass das nicht das Problem ist. Vielmehr liegt ein Problem darin, Entscheidungen in dieser Hinsicht aus dem Herzen oder aus dem Bauch heraus zu treffen, also als Seele oder als Triebtäter! Der Triebtäter ist jemand, der blind so entscheidet, wie er/sie eben immer entscheidet, wenn ein bestimmtes Knöpfchen gedrückt wird. Die Seele jedoch weiß - was nicht bedeutet, dass SIE deshalb den Triebtäter unter Kontrolle hat!
Der Triebtäter in uns ist die Maschine, die auf den Schienen unserer Muster entlang fährt … Karma eben. Und wir alle sind an unser Karma gebunden. Solange, bis es entweder aufgelöst oder integriert ist.
Die Alexandertechnik kennt einen interessanten entscheidenden Punkt und nennt ihn: Inhibition - innehalten! Es meint, dass man beispielsweise dem Impuls aufzustehen, nicht unmittelbar folgt, sondern erst innehält und dann entscheidet, ob man aufstehen will. Wenn es uns gelingt, diese Fähigkeit des Innehaltens zu entwickeln, erreichen wir die Freiheit, nach der wir streben - was nichts anderes bedeutet, als dem Ruf der Seele zu folgen (oder Unterscheidungsvermögen zu entwickeln).
Es gibt also für uns, bevor wir uns nur noch mit dem beschäftigen können, was wir gerne und gut machen wollen, wenigstens zwei Dinge unter Kontrolle zu bringen: Zum einen unsere angefangenen Sachen zu Ende zu bringen (= Karma abzuarbeiten) und zum anderen, zu lernen, dem Ruf der Seele zu folgen, statt den alten Reaktionsimpulsen (= kein neues Karma zu erzeugen).
Beides kann durchaus noch ein ganzes Leben in Anspruch nehmen … oder, wie Gott vielleicht sagen würde: „nur noch einen Augenblick …!„


#1 by Josephine on Donnerstag, 19. November 2009
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Lieber Raimund,
ja, wo du recht hast, hast du recht! Im Buddhismus würde man es wieder mal (inflationär) den “mittleren Weg” nennen, sich in kein Extrem zu stürzen. Oder sich einfach nur auf seinen Traum zu stürzen, ohne nach links und rechts zu schauen. Das kann neues Karma erzeugen. Insofern ist Innehalten das, was ich auch oft und gerne tue, denn nur so finde ich heraus, was ich überhaupt aufgeben kann oder muss und was nicht. Das kann schon mal einen Augenblick dauern
Dazu gehört bei mir auch, mich zu fragen, ob es noch eine andere Möglichkeit gäbe, die ich noch nicht bedacht habe…
Ja, Gelegenheiten nutzen, ist auch eine Kunst. Dazu muss ich die Augen offen halten und empfänglich sein, sie zu erkennen!
Letztlich stellt sich nur im Gehen des Weges oder im Machen heraus, was funktioniert und womit man seine Energien nur zerstreut.
Irgendwie muss die “Grundspannung” stimmen, die Balance und letztlich sie zu finden ist eine Aufgabe für’s Leben. Die richtige Grundspannung entsteht für mich aus dem Abgleichen von Gewohnheitsmustern mit meinen Zielen und dafür halte ich regelmäßig inne: Behindern sie sich? Was kann ich ändern? Das ist für mich die wichtigste “Disziplin”.
Liebe Grüße
Josephine
#2 by evelyn on Donnerstag, 19. November 2009
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Hallo Raimund,
zum Thema “Erziehung” eine Anmerkung:
“Erziehen heißt Vorleben - alles andere ist höchstens Dressur”. Und so ist es gut, sich selbst immer wieder zu hinterfragen, ob aus antrainierten Mustern heraus agiert wird oder aus einem klaren, inneren Impuls.
Liebe Grüße - Evelyn
#3 by RK-F on Freitag, 20. November 2009
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Hallo Josephine,
sag mal, wie machen denn die Buddhisten das … das würde ich schon gerne mal wissen: Ein Buddhist kommt doch ebenso wie jeder andere auch immer wieder mal in solche Entscheidungssituationen … welche Lösungen sucht dann ein Buddhist?
#4 by RK-F on Freitag, 20. November 2009
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und in der Bibel heißt es: Den Splitter im Auge deines Nachbarn siehst du, den Balken in deinem eigenen nicht …
Danke für den Kommentar, Evelyn
#5 by Josephine on Mittwoch, 25. November 2009
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Lieber Raimund,
endlich habe ich Zeit gefunden, deine Frage zu beantworten! Da du sie mir so ähnlich bereits in meinem Blog gestellt hast, findest du die Anwort dort: hier klicken.
Lieben Gruß
Josephine
#6 by Josephine on Mittwoch, 25. November 2009
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Falsch verlinkt? Hier geht es lang:
http://herzgefuehl.wordpress.com/2009/11/18/was-mache-ich-wahrend-ich-meditiere/