
Eine Rakete kann den Orbit nur deshalb verlassen, weil eine gewaltige Kraft auf einen einzigen Punkt konzentriert ist.
Als ich vor Jahren mein Geschäft verkaufte, schaute mir ein Freund, Mittelständler mit 60 Mitarbeitern und sehr erfolgreich, tief in die Augen und fragte, was ich denn nun machen wolle. Ich antwortete ihm, dass ich wohl einen Verlag gründen wolle. Er hielt seinen Blick fest auf mich gerichtet - und dann endlich sagte er:
„Raimund, du kannst alles machen was du willst, aber du brauchst Kunden, die das bezahlen!“
Wie Recht er hatte! Wer sind Ihre Kunden?
Wir hatten auf diesem Blog schon verschiedentlich darüber gesprochen, dass, wenn Sie Ihren Traum leben wollen, also etwas anderes machen wollen als jetzt, werden Sie ganz sicher an einen Punkt kommen, an dem Sie sich oder ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen müssen. Der Augenblick der Wahrheit, wenn Sie so wollen.
Bei manchen Leuten scheint das ganz von selbst zu gehen. Bekannte meiner Schwester beschlossen eines Tages, eine Kneipe mitten im Wald zu pachten. Sie hatten das Häuschen gesehen, es hatte ihnen gefallen, sie griffen zu. Es dauerte gar nicht lange, bis diese kleine Kneipe zentraler Mittelpunkt von Rentnertreffs, Sonntagsausflüglern und was weiß ich wem noch alles wurde. Die Kneipe brummte sagenhaft - allerdings mussten die Leute dafür auch richtig klotzen. Irgendwann war einfach genug und sie verkauften.
Nachdem Sie eine Weile ausgeruht hatten, beschlossen sie, etwas ganz Kleines zu machen, etwas, was einfach nur Spaß macht und nicht in Arbeit ausartet. Da sie zum einen nach dem Verkauf genug Geld, und zum anderen eines dieser typischen Bremer Häuschen hatten, die zwar sehr schmal, dafür aber sehr hoch sind, beschlossen sie, die Garage im Erdgeschoss zu einem Bonbonladen umzufunktionieren.
Gesagt getan, schon bald war die Garagentür gegen eine kleine Ladenfront ausgetauscht, Regale eingesetzt, eine kleine Theke und zwei Vitrinen und eine kleine Bonbonküche eingerichtet. Fertig. Die meisten Bonbons machten sie selbst, den Rest kauften Sie zu. Dann dachten sie sich noch ein paar schicke Verkaufsideen aus - eine war, eine Süßigkeitentüte aus durchsichtigem Zellophan, gepackt mit Bonbons und anderen Süßigkeiten in den gewünschten Vereinsfarben. Was soll ich sagen, es dauerte nicht lange, bis man diese Tüten vorbestellen musste, weil die Leute mit Liefern kaum noch nach kamen. So viel zum Thema etwas machen, was Spaß macht und nicht in Arbeit ausartet.
Ich will trotzdem mein Gefühl hier äußern, dass ich solche Erfolgsgeschichten für nicht repräsentativ halte - ich glaube, diese Geschichte ist eher eine Ausnahme. Sicher kein Einzelfall, aber eher eine Ausnahme.
Die meisten anderen müssen sich ihren Erfolg härter erkämpfen. Nicht weil das so sein soll, sondern weil sie eine ganze Latte von Mustern haben, im Kopf, im Fühlen und im Handeln, die aufkeimende Erfolge eher erschweren, denn begünstigen. Und die Lektüre von Positivdenkbücher kann da durchaus kontraproduktiv sein.
Eines der größten Hindernisse, auf dem Weg zum Erfolg und zum Leben der eigenen Ziele, aus meiner ganz persönlichen Sicht, ist das Fehlen von ausreichender Konzentration … und da ich mich zu dieser Gruppe zähle, setze ich jetzt in der Wir-Form fort.
Wir haben zuviele Interessen, Projekte und Ideenschnipsel aufgetürmt - und es fällt uns schwer, sie hinter uns zu lassen. Aber, zumindest isses bei mir so, es hilft alles nichts! Jede angefangene Idee, jedes angeplante Projekt, alles was man irgendwie “bei Gelegenheit mal” machen will, alles das frisst Energie, Zeit und Kapazität.
Nehmen Sie in Blatt Papier und versuchen Sie, den Finger durchzubohren. Das ist leicht. Jetzt legen Sie zehn Blätter übereinander und versuchen das nochmal. Wird immer noch gehen, aber schon deutlich schwieriger. Jetzt nehmen Sie Ihr Telefonbuch … Und da Sie da mit Ihrem Finger ziemlich sicher nicht durchkommen, versuchen Sie jetzt mit einer Stecknadel durchzukommen. Ich habe das gerade eben mal probiert, um ganz sicher zu gehen. Und, ja, mit ein bissel Druck und Balance kriegen Sie die Stecknadel durch dieses dicke Telefonbuch - einfach weil Ihre ganze Kraft sich auf diese winzige Spitze der Stecknadel konzentriert!
Das ist der Unterschied zwischen Verzetteln und Konzentrieren!
Wer werden Ihre Kunden sein? Was werden die von Ihnen kaufen und warum? Was kaufen die bisher stattdessen? Und warum dann nicht mehr?
Sie SIND Seele, das ist klar, aber das bedeutet nicht, dass Sie deshalb als Mensch zaubern können - egal, was die Autoren von Positvdenkbüchern auch immer schreiben. Je weniger Mittel Sie im Augenblick haben, um Ihr Vorhaben zu realisieren, desto stärker müssen Sie sich konzentrieren. Eine Rakete zum Mond kann nur deshalb die Anziehungskraft der Erde verlassen, weil eine gewaltige Menge Energie auf einen einzigen Punkt gerichtet ist.
Wenn Sie Erfolg haben und Ihren Traum leben wollen, rechnen Sie mit Widerstand! Konzentrieren Sie sich und treffen Sie Entscheidungen, was Sie alles einstellen, um genug Schub und Kraft und Zeit und Energie für Ihren großen Traum zu haben. Es ist der Preis, den Sie bezahlen müssen …

#1 by Josephine on Mittwoch, 18. November 2009
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Lieber Raimund,
ja, für mich geht es dabei auch um den richtigen Fokus. Vor ein paar Tagen hatte ich noch vor, selbst einen Blogbeitrag über Vereinfachung und Verzicht zu schreiben. Über das, was du beschreibst: Nicht tausend Ideen ein wenig verwirklichen und sich womöglich verzetteln, die Energien zerstreuen, sondern das gesamte Leben bündeln… für den Traum. Und selbst am Traum schauen, was machbar ist und überhaupt ad hoc umsetzbar…
Das will wohl erwogen sein
Liebe Grüße und einen schönen Abend wünscht
Josephine
#2 by Josephine on Mittwoch, 18. November 2009
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Ups, da hab ich wohl eben das falsche (”alte”) Nutzeprofil von mir erwischt
#3 by RK-F on Mittwoch, 18. November 2009
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Liebe Josephine,
und doch ist es manchmal sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, sich nur auf das zu konzentrieren, was man gerne möchte. Da hat sich dann gerne vieles aufgestaut, dass man da eine Zeitlang “hartes Brot” knabbern muss
Disziplin, Disziplin und Disziplin sind die drei Dinge, die da helfen … aber halt nicht schmecken 
Danke für den Kommentar und dir auch einen schönen abend
Raimund, der inspiriert von diesem Kommentar gleich noch einen neuen Beitrag verfasst hat … erscheint morgen …