
Alles beginnt irgendwo, verläuft irgendwie und endet irgendwo.
Wie fangen Sie etwas an?
Ich meine, wenn Sie einen Kuchen backen wollen, fangen Sie wohl damit an, nachzusehen, was Sie noch in den Schränken und Regalen haben. Oder Sie machen sich eine Liste über Dinge, die Sie einkaufen müssen. Wenn Sie etwas kochen wollen, wird es wohl genauso sein.
Aber wie machen Sie dass, wenn Sie sich eine (neue) Arbeit suchen (wollen)? Oder wie isses, wenn Sie entscheiden wollen, wohin es in Urlaub gehen soll?
Ständig fängt irgend etwas an, und ständig hört irgend etwas auf. Dinge, Situationen, Beziehungen - sie beginnen irgendwo, verlaufen eine Weile und scheinen sich dann irgendwohin zu verflüchtigen. Manchmal horchen wir kurz auf, wenn jemand gestorben ist, oder feiern eine Taufe, wenn jemand neu in diese Welt gekommen ist.
Fangen wir etwas an, nur weil wir es anfangen?
Denken Sie mal für einen Moment lang darüber nach: Wenn wir etwas anfangen, nur weil wir etwas anfangen, nur weil uns gerade ein Gefühl oder ein Gedanke durchzuckt hat … sind wir dann nicht schlichte Maschinen? Die aktuelle Hirnforschung kommt im Grunde zu diesem Schluss, denn Sie konnte nachweisen, dass zwischen der Ankunft eines Gedankens (messbar im Gehirn) und dem Augenblick, zu dem dieser im Menschen wahrgenommen wird, vergeht eine für Forscher beträchtliche Zeit. Das alleine wäre noch nicht so tragisch, aber sie meint, dass mit dem Bewusstwerden des Gedankens auch alle Handlungsmuster schon festgelegt sind.
Allerdings kann die Hirnforschung keine Angaben darüber machen, wo Gedanken herkommen. Wahrscheinlich weil die Idee vorherrscht, Gedanken seien ein Ergebnis neuronaler Feuerwerke. Was glauben Sie? Sind Gedanken Ergebnisse von Nerventätigkeiten und Strömen? Immerhin nimmt alles seinen Anfang mit oder in einem Gedanken …
Mein berufliches Thema sind Schwangerschaften und gestern habe ich einen kleinen Artikel darüber veröffentlicht, dass Schwangere schön sind und es glücklicherweise heute so ist, dass Schwangere dazu ein starkes Selbstbewusstsein entwickelt haben. Sie zeigen Ihren Bauch gerne her, lassen ihn fotografieren und hängen sich das Bild dann an den Kühlschrank, um sich noch ganz lange daran zu erinnern. Und beim Durchforsten des Webs zu diesem Artikelchen bin ich auf ein Video von Christina Aguilera gestoßen, eine Live-Performance zu Ihrem Song You are beautiful. Als ich mir dieses Video angeschaut habe, hatte ich ein paar mal Gänsehautschauer über meinen Rücken laufen. Schaun’ Sie mal hier:
Als ich mir dieses Video, das ja nun auch schon ein bissel älter ist, angeschaut habe, dachte ich mir “wow, die lässt es aber raus!” Und, ganz ehrlich, ist es nicht immer enorm elektrisierend, wenn man jemandem begegnet, der gefunden hat, was ihn inspiriert und der alles gibt, was er hat? Mir geht es jedenfalls so. Da kann es sein, dass sich mir die Haare stellen …
Und meistens sind es Künstler, die alle Konventionen und Regeln über den Haufen werfen können, nur um dem nachzugehen, was in Ihnen einen Anfang genommen hat - um das rauszulassen, was sich da Bahn brechen will.
Aber wie kommt man an diesen Punkt, in eine Sache wirklich alles hineinzulegen, was man hat - volles Risiko zu gehen, wenn man so will. Ich weiß es nicht genau, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Vertrauen, ja mehr noch: Gottvertrauen eine riesige Rolle dabei spielt, denn man weiß ja am Anfang nie, ob es ein Erfolg wird, oder eine Katastrophe! Man kann sich nur darauf einlassen … und dann los lassen … und dann alles raus lassen!
Diese beiden letzten Punkte sind dabei das Kritische. Los lassen ist ja schon schwierig genug, aber dann noch vollen Einsatz zu gehen, das Risiko einzugehen, vollständig zu scheitern, ist noch mal eine Qualität für sich.
Andererseits, Sie sind vorbereitet! Aus meiner Sicht leben Sie nicht zum ersten mal - und in Ihnen sind eine Menge brauchbarer Erinnerungen gespeichert, die Sie sich zu nutze machen können, und wenn Ihnen die Erinnerungen aus diesem Leben nicht ausreichen, nehmen Sie die aus anderen Leben! Suchen Sie nach Erinnerungen an Gefühle eines Triumphes vielleicht. Was Sie im Grunde suchen, ist doch ein Triumph. Ein Triumph über sich selbst! Einen Triumph über all Ihre Zweifel, die Sie ja sicher auch haben. Vielleicht sogar einen Triumph über die Vernunft, die ja immer auch eine Stimme der Mäßigung ist. Aber Spitzenleistungen, egal ob im Geschäft oder in der Kunst, gehen praktisch nie mit Vernunft einher - sie haben immer auch einen starken emotionalen Aspekt.
Wie beginnen Sie etwas, das am Ende großartig sein soll? Ich glaube, es beginnt damit, das man etwas macht und versucht, es so gut wie möglich zu machen. Und wenn man es geschafft hat, versucht man, es noch ein bisschen besser zu machen - sofern es etwas ist, das einem gefällt. Und dann noch etwas besser. Es entwickelt sich und damit entwickeln sich auch die eigenen Fähigkeiten - und mit den Fähigkeiten wächst das Selbstvertrauen in sich. Immer muss man dabei erneut in Grenzbereiche vordringen. In Bereiche, die man nicht vollständig beherrscht - in Bereiche, in denen man nur auf zwei Aspekte wirklich vertrauen kann: Auf sein Selbstvertrauen und auf sein Gottvertrauen. Das Vertrauen, das man dabei in Gott hat, spiegelt sich im Vertrauen wieder, das man in sich selbst hat. Kritisch wird es erst, wenn man glaubt, dass es ohne Gott geht …

#1 by giannina on Donnerstag, 8. Oktober 2009
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lieber raimund,
nun war ich ja schon öfter in deinem blog, aber heute sieht es irgendwie anders aus. hast du hier das design verändert?
zu deinem artikel: war es hesse, der sagte, “jedem anfang wohnt ein zauber inne”? ich kann das bestätigen. manchmal ist etwas neues auch ein wenig beängstigend.
was die hirnforschung aber noch sagt, ist dass ein kind die jahre der kindheit als so lang empfindet, weil kinder eben immer etwas neues beginnen und neue erfahrungen machen, die das gehirn mit nichts bekanntem vergleichen kann. im laufe eines lebens dann tut man immer häufiger das gleiche, und aufgrund des mangels an neuen erlebnissen verfliegt das leben im subjektiven empfinden plötzlich. das rezept für das gefühl des jungbleibens ist also in der tat: viele neue erfahrungen machen, neue dinge erleben, neue dinge beginnen die man noch nicht erlebt und getan hat.
ich möchte natürlich nicht zu blinden aktionismus aufrufen
aber manchmal schadet es wirklich nicht, sich den zauber eines neubeginns, und sei es im kleinen, zu gönnen.
liebe grüsse
giannina
#2 by RK-F on Freitag, 9. Oktober 2009
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Hallo Giannina,
schön, dich hier zu sehen


Design - weiß ned, ich bin eigentlich dauernd am rumschrauben und verändern. Ich bin mir noch nicht so klar darüber, was ich im nächsten Jahr mit diesem Blog anfangen will. Es gibt ein paar Ideen, aber … es wird Zeit, etwas zu verändern …
Ja, dieser berühmte Zauber, der allem Anfang innewohnt … Die Neurophysiologen haben festgestellt, dass mit der Bahn, die ein Impuls durch die Synapsen genommen hat, gleichzeitig eine hohe Wahrscheinlichkeit entsteht, den nächsten Impuls die gleiche Bahn wieder zu nehmen zu lassen. Das ist das physiologische Pendant zu einem (Denk)Muster. Wirklich hoch interessant. So sehr unser Gedächtnis unser Helfer ist, so sehr ist es auch unser Gegner
Bei Kindern liegt der Vorteil in dem Umstand, dass sie zunächst mal in einer fremden Welt leben, die ständig nach neuen Antworten verlangt. Mit der Entwicklung der Sprache aber, mit der Fähigkeit, Dinge, immer mehr Dinge und endlich alle Dinge zu benennen, haben wir schließlich die Mauer hoch genug gezogen, um in einem selbstgebauten Gefängnis zu leben. Eine Mauer von Worten und Bezeichnungen.
Es ist schwierig, den Dingen immer neue Aspekte abzugewinnen und wirklich etwas Neues zu machen …
Schwierig … aber nicht unmöglich
Vielleicht wäre ein gelegentlicher Aufenthalt in einem Kloster nicht schlecht. Eine paar Tage Schweigen? Hat Pythagoras schon vorgeschlagen.
LG, Raimund
#3 by giannina on Samstag, 10. Oktober 2009
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oh, da rennst du bei mir offene türen ein
tage im kloster sind wirklich ein erlebnis. ich habe das oft in meinem leben getan, ist aber auch schon eine weile her und ich denke in diesen monaten immer mehr wehmütig daran, dass es mal wieder zeit wäre, ein paar tage monastischer stille zu haben, weil diese stille eben eine besondere ist.
ich war damals oft in einem benediktinerinnenkloster in dülmen, das es heute leider nicht mehr gibt. die schwestern waren dann zu alt und es kam kein nachwuchs mehr, daher ist das kloster jetzt geschichte. aber ich erinnere mich an diese wunderbaren stillen tage, in denen (nach anfänglichem unbehagen) sich in den kleinsten dingen neue welten erschlossen. das blühen im klostergarten. das schweigen. das akzeptieren des seins ohne “machen” zu wollen. und der herrliche rhythmus, der einem den schönsten schlaf beschert, weil man einfach müde ist am abend….
es gibt sicher viele möglichkeiten, wieder geschmack an den dingen und an neuen erfahrungen zu finden.
auch wenn wir nicht mehr kind werden können (in diesem punkt ist das wirklich ein bisschen bedauerlich).
gut, dann wünsche ich dir viel inspiration mit deinem blog
bis bald und viele liebe grüsse,
giannina