
Volle Konzentration, Einsatz und Losgelöstheit sind spirituelle Prinzipien, die man sehr gut im Alltag lernen kann.
Jeder von uns hat so seine Macken. Katzen auch!
Ich hatte wenig Schlaf in der vergangenen Nacht. Nachdem ich erst spät den Computer in Ruhe ließ, hing ich noch einige Zeit gedankenversunken auf dem nächtlichen Balkon herum und genoss die Stille. Angenehm mild, eine sehr leichte Brise, ab und an ein funkelnder Stern - eine gute Zeit, um die Gedanken zu sortieren - nur halt verdammt spät …
Immer, wenn man einen Schritt auf den Horizont zugegangen ist, hat der sich einen Schritt weiter weg bewegt und und uns dadurch eine neue, veränderte Sicht auf das, was vor uns liegt, verschafft. Ist es nicht so?
Meine Projekte beginnen sich, zu entwickeln und mit jedem Schritt weiter sehe ich etwas Neues und muss neue Entscheidungen treffen. Vor allem, da ich mehreren ganz unterschiedlichen Ideen versucht habe, Raum zu geben, war von Anfang an klar, dass ich nicht alles werde machen können. Die Frage war nur: Welche Projekte werden wann eingestellt?
Langsam beginnt sich also nun bei mir die Spreu vom Weizen zu trennen und die Zeit, die ersten Projekte einzustellen, ist gekommen. Die Bilder werden klarer, die ich malen will, oder besser gesagt: Meine Ziele beginnen sich herauszukristallisieren und noch in der Nacht traf ein beunruhigend aufregender Gedanke ein, den ich mir anschauen wollte:
- Isses ein sinnvolles Ziel?
- Will ich das überhaupt? Oder nur in diesem Augenblick?
- Trau’ ich es mir zu?
- Welchen Preis wird es voraussichtlich kosten und bin ich bereit, ihn zu bezahlen?
na ja, und noch ein paar mehr halt …
Ich machte mir Notizen.
Der Vormittag verlief intensiv. Nachdem ich die Müdigkeit abgeschüttelt hatte, begann ich mit meiner Arbeit. Ich bemerkte gar nicht, wie die Zeit verging und plötzlich war es kurz nach eins am Mittag. Lissi, unser kleines Kätzchen, hatte ihre Augen aufgemacht und suchte ein warmes Plätzchen zum wachwerden. Am liebsten eines, bei dem sie ein Herz schlagen hören kann.
Mit hörbarem Tock kam sie aus dem oberen Regal heruntergesprungen und landete neben mir. Nach einem ausgedehnten Strecker war ihr offensichtlich sofort klar, wo dieses besondere Plätzchen wohl ist, das ihr beim Aufwachen - na ja, oder vielleicht beim noch ein bissel weiterdämmern, ideal erschien: Meine Brust!
Wenn Lissi diesen Bewustseinsstatus erreicht, ist es egal was man tut. Wir nennen das hier intern: Schmusezwang. Sie ist noch klein, aber so klein nun auch wieder nicht, als dass sie nicht durchsetzen kann, was sie durchsetzen will!
Zunächstmal läuft sie mir mal über die Tastatur. Das bedeutet soviel wie: “Hallo! Siehst du mich nicht?”
Als nächstes macht sie einen kleinen Schwenk und marschiert, immer noch über die Tastatur, auf mich zu. Egal ob ich ihr jetzt Platz mache oder nicht, sie geht unbeirrbar weiter. Wenn es sein muss, steigt sie auf meinen Arm, mit dem ich mich am Tisch abstütze, und balanciert darauf herum.
Ich gebe also nach, lehne mich weit zurück und lasse sie auf meiner Brust laut hörbar schnurrend und knuspernd Platz nehmen. Keine Frage, sie fühlt sich wohl. Nach einer Weile, ich bin nicht sicher, ob ich mir mein Rückgrat beim Vorbeugen brechen werde, schiebe ich sie also auf meinen Schoß. Sie grinst mich an - ehrlich, sie kann wirklich grinsen! - findet es aber saugut, da wo sie jetzt liegt, rollt sich zusammen und dreht den Kopf nach außen - man fragt sich, wie die Katzen das machen, ohne sich den Hals zu brechen!
Die Zeit vergeht und eigentlich hab’ ich gar keine Zeit. Es ist nicht Wochenende und so kann ich nicht arbeiten. Also nehme ich sie hoch und trage sie rüber zum Bett. Sie mault und sieht mir nach, wie ich Richtung Küche verschwinde. Als ich mit einem Espresso zurück komme, entdecke ich sie zehn Sekunden später … auf meiner Tastatur, was ja, wie gesagt, heißen soll: Hallo! Siehst du mich? Ich bin soooo alleine!
Wo ist überhaupt unser Kater? Der könnte doch jetzt mit ihr spielen! Aber der schläft am Fenster …
“Lissi,” sage ich und schaue ihr tief in die Augen. Angeblich sollen Katzen ja Menschen verstehen können. “Häschen, ich muss arbeiten!”
Sie grinst und tapst über die Tastatur auf meinen Arm und besteigt meine Schulter! Ich fasse es nicht. Schmusezwang! Also gebe ich auf und lasse sie ein bisschen auf mir schlafen. Irgendwann schließlich dampft sie dann ab.
Es ist erstaunlich, was man von einem kleinen Katzenmädchen lernen kann: Sei beharrlich in deinem Vorwärtsdrängen, kreativ in der Wahl der Mittel, lass dich nicht gleich entmutigen wenn du zurückgewiesen wirst - und sei dabei immer fröhlich und grinse …

#1 by Sabine on Freitag, 25. September 2009
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lg Sabine