
Für rostige Ritter brauchen Sie nur ein paar Minuten, aber der Genuß kann Ihnen helfen, in den Himmel zu kommen! Bildquelle: chefkoch.de
Wenn Sie mir ein bisschen ähnlich sind, dann haben Sie ziemlich sicher immer ein paar alte Brötchen im Haus. Wenn ich beim Bäcker morgens Frühstück hole, kaufe ich gerne ein paar mehr ein. Es lässt sich so vieles draus machen!
Da wäre zum einen die Verwendung in Hackklößen. Die werden viel lockerer, wenn Sie alte Brötchen in heißer Milch einweichen, ausdrücken und dann zum Fleischteig geben. Natürlich lässt sich auch feines Semmelmehl draus machen - braucht man auch immer, wenigstens zum Ausstreuen der Kuchenform. Aber, und darum geht es mir heute, aus alten Brötchen lässt sich auch eine Rutsche in den Himmel bauen!
Rostige Ritter gehörte für uns Kinder zu den allerallerallerliebsten Lieblingsgerichten! Schon das Wissen, heute gibt es Rostige Ritter, versetzte uns Vibrationen.
Für einen Rostigen Ritter brauchen Sie alte Brötchen. Haben wir nicht alle ein paar alte, harte und ungenießbare Brötchen in Form unangenehmer Erinnerungen herum liegen?
Aus alten Brötchen lässt sich mit ganz wenig Zutaten Aufregendes zaubern, aus alten Erinnerungen auch. Nehmen wir einmal an, ein schlimmer Streit nagt immer noch an und in Ihnen. So was kann lange an einem haften bleiben. Alte Brötchen können sie wegschmeißen, alte Erinnerungen nicht, also bietet sich an, sie mit ein bisschen warmer Milch, heißem Fett und Zimtzucker in was Tolles zu verwandeln.
Als erstes benennen Sie die alten Brötchen. Sagen wir, Sie haben ein Brötchen aus der letzten Woche übrig. Dieses Brötchen ist jetzt dieser schlimme Streit, der an Ihnen nagt. Und da Sie diese Situation jetzt in Ihren Händen haben, können Sie doch was Großartiges daraus machen!

Vielleicht wollen Sie aus Ihren alten "Brötchen" auch was anderes machen - wie wäre es mit Kirschmichel?! Bildquelle: chefkoch.de
Als zweites nehmen Sie diesen alten Streit, pardon, das alte Brötchen und reiben es außen herum ab. Während Sie das tun, überlegen Sie, was eigentlich passiert ist. Wie kam es zu diesem Streit? Hätten Sie ihn vermeiden können? Schenken Sie sich Vorwürfe, schauen Sie einfach nur auf das was war - reiben Sie dieser Sache praktisch die harte Haut herunter, bis das Weiße des Brötchens übrig ist - die Essenz des Ganzen.
Stellen Sie Milch auf, fügen eine Vanilleschote und Zucker dazu und kochen das Ganze auf. Die Vanilleschote und der Zucker sind Ideen und Lösungen, die Sie noch nicht kennen und die erst wirksam werden, wenn sie mit den Brötchen vermischt sind. Während Sie darauf warten, bis die Milch kocht, singen Sie ein Lied! Ein schönes Lied! In meiner Religion würde man ein Mantra singen, zum Beispiel das HU. Aber vielleicht war es ein wirklich ganz schlimmer Streit und Ihnen ist ein Gebet lieber. Wenn dem so ist, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt dafür. Wenn die Milch hochkocht, nehmen Sie sie vom Feuer und übergießen damit das Weiße der Brötchen. Die sollen jetzt einweichen.
Ab jetzt lassen Sie alles was war, hinter sich. Die Brötchen sind nicht mehr hart und ungenießbar, der Streit ist jetzt abgerieben und ein paar Ideen sind am wirken, um die Situation zu verändern. Lassen Sie los!
Wenn die Brötchen durchgeweicht sind, drücken Sie sie aus, formen schöne Kugeln draus und wälzen sie in den Bröseln. Dann ab in eine nicht zu heiße Pfanne mit zerlassenem Butterschmalz. Schmalz wird nicht so schnell braun wie Butter, aber wenn Ihnen Butter lieber ist, nur zu! Bruzeln Sie die Rostigen Ritter rund herum, bis überall eine schöne goldgelbe Farbe entstanden ist. Raus aus der Pfanne, mit Zimtzucker überstreuen, so dass sie eine schöne rostige Farbe bekommen und duften, dass Ihnen das Wasser im Mund zusammenläuft. Dazu geben Sie, je nach Belieben, Vanille- oder, noch besser, Weinschaumsoße. Für Schleckermäuler ist das suchtgefährend.
Jetzt, da aus einem alten Brötchen ein Himmelskörper geworden ist, nehmen Sie sich ein bisschen Zeit beim Essen. Wie ließe sich aus dem Streit jetzt etwas Neues, Schöneres machen? In welcher Hinsicht hat Ihnen diese Sache in Richtung auf Ihr Ziel geholfen? Haben Sie etwas dabei über sich gelernt, was Sie in Zukunft besser lassen sollten?
Nehmen Sie den Genuß der Rostigen Ritter als eine Brücke, über die Sie jetzt in eine neue Welt gehen, in eine Welt, in der dieser Streit ein merkwürdiger Anfang einer großartigen Zeit war.
Wenn Sie Ihren Traum leben wollen, ganz gleich welcher das auch immer ist, brauchen Sie die Fähigkeit, auch unangenehme Ereignisse anzunehmen, um sie in etwas Konstruktives umzubauen. Sie haben die Wahl, sich mit einem alten, harten Brötchen eine Beule zu holen, oder es in etwas Wunderbares zu verwandeln.
Bei letzterem wünsche ich einen guten Appetit - und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich muss mich um ein paar alte Brötchen kümmern

#1 by Eva on Sonntag, 20. September 2009
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Raimund, Du bist einfach ‘gottvoll’, und das kannst Du jetzt wörtlich nehmen.
Wie wunderbar hast Du gezeigt, das wir mit Problemen und auch immer mit den dazugehörigen Lösungen versorgt sind. Und das können wir jeden Tag und in j e d e r Situation leben, wenn wir es zu sehen vermögen.
Bei uns gab es nie rostige Ritter. Erst abreiben und dann wieder damit panieren? Schien mir immer unsinnig. Natürlich jetzt, nach Deinem Artikel, nicht mehr.
Bei uns verwandelten sich alte Brötchen in Ofenschlupfer.
#2 by cosplay on Freitag, 10. September 2010
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Bei letzterem wünsche ich einen guten Appetit - und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich muss mich um ein paar alte Brötchen kümmern