Portrait of a Woman hearing gossip

Portrait of a Woman hearing gossip

Das Wort Gossip, englisch, bedeutet: Tratsch, Klatsch.  Es bezeichnet das, was Menschen untereinander über andere reden.  Etwas zutiefst menschliches.

Wieso haben wir Menschen überhaupt den Wunsch, über andere zu reden?  Manchmal drücken wir Bewunderung aus, manchmal, wahrscheinlich häufiger, reden wir über scheinbare Schwächen oder Fehler anderer.  Man taumelt da rein. Und, ganz ehrlich, ich will zu meiner Schande gestehen, dass mir das immer noch sehr häufig passiert!  Will ich eigentlich gar nicht, aber jetzt, da ich grad drüber schreibe, bemerke ich es wieder.

Standardmäßig ist es so, dass ich meine Frau vom Büro abhole.  Sie sitzt im Auto und dann dauert es nicht lange, bis sie über bestimmte Vorfälle im Geschäft erzählt.  Der hat dies gemacht, der hat das gesagt und so weiter.  Und ich sitze da und höre es mir nicht nur an, nein, ich rede mit, als würde ich diese Leute schon lange und sehr gut kennen.  Fakt ist aber, dass ich die meisten, von denen meine Frau erzählt, gar nie kennengelernt habe!  Wieso passiert es mir, dass ich mich immer wieder hinreißen lasse und Werturteile über deren Verhalte abgebe?  Ich weiß es nicht - aber es ist Zeit, das unter Kontrolle zu kriegen.

Und wie das so ist, wir bekommen Hinweise darauf, was jetzt eigentlich als nächstes ansteht in unserer Arbeit an uns selbst - zumindest glaube ich das.

Vor ein paar Tagen kam ich ins Wohnzimmer, weil ich etwas holen wollte.  Der Fernseher lief, unser Junge hatte ihn wohl angelassen, war aber wieder in sein Zimmer gegangen. Es lief eine Slapstick-Telenovela, weiß ich, wie die heißt!  Wie auch immer, als ich grade hinschaute lief eine Szene, in der sich Leute bei einem Ehemaligen-Klassentreffen begegneten.  Die Hautdarstellerin traf eine alte Freundin, deren Leben wohl super gut gelaufen war.  Sie war reich geworden, hatte einen erfolgreichen und bekannten Ehemann, sie hatte alles, was man sich wünschen kann.  In der nächsten Szene sieht man, wie die Hauptdarstellerin abends mit ihrem Mann zu Bett geht - und es dauert nicht lange, bis sie ihren ganzen Frust darüber rauslässt, wie gut es dieser ehemaligen Klassenfreundin geht - und gemessen daran, wie schlecht es ihr geht.  Nachdem ihr Mann sich das eine Weile angehört hat, wirft er ein, dass die Freundin wohl alles habe, aber eben nicht glücklich sei.  Ihr Mann habe eine Affaire.  Als ich sah, wie sehr sich die Hauptakteurin über diese dunkle Seite freute, ehrlich, ich konnte nicht darüber lachen.  Vielmehr ging mir eine Gänsehaut über den Nacken.  Weiter im Film.  Am nächsten Tag treffen sich alle Ehemaligen nochmal und der Ehemann der Hauptrolle bittet seine Frau, niemandem etwas von dieser Fremdgeh-Affaire zu erzählen.  Und, natürlich, es dauert fünfzehn Minuten, dann ist es das Thema im ganzen Saal.  Das Schlimme daran war aber, dass diese Affaire nur erfunden war.  Der Ehemann der Hautrolle hatte das erfunden, um seine Frau zu trösten.

Ich war tatsächlich erstaunt darüber, wie sehr mich diese Szenen anfassten - nicht weil ich den Film oder den Plot schlecht fand.  Nein.  Vielmehr weil ich den Eindruck hatte, dass das Verhalten von Menschen hier sehr genau widergegeben worden war.  Ich fand das schrecklich, wie Menschen sein können!

Zwei Tage später, kein Witz, bemerke ich auf einem meiner Blogs eine stattliche Anzahl von Kommentaren.  Ich schaute mir an, wo die denn her kamen und ich bemerkte, dass die meisten aus der gleichen Ecke kamen.  Die meisten Kommentatoren waren Mitglieder eines Forums.  Als ich die Adresse anklickte musste ich zu meinem größten Erstaunen feststellen, dass dort in einem Forumsbeitrag Behauptungen über mich aufgestellt worden waren, die frei erfunden und falsch waren.  Von jemandem, dem ich noch nie in meinem Leben begegnet war oder mit ihm zu tun hatte.  Von jemandem, der mich überhaupt nicht kannte.  Und, glaube Sie mir, erst in diesen Minuten, da ich diesen Beitrag schreibe, wird mir der Zusammenhang klar.  Es spiegelt meine Kommentare wieder, die ich über die Kollegen meiner Frau von mir gebe - und, ja, das muss ich ganz dringend ändern!

Ehrlich mal, ist es nicht wunderbar, dass uns das Leben, das ECK, oder der heilige Geist immer wieder zeigt, wo wir uns (gerade) selbst schaden?  Es ist ja keine Strafe - vielmehr eine Hilfe, ein Hinweis, der dabei hilft, ein besseres Leben zu haben, ein besseres Leben ohne Prügel, die wir selbst verursachen.

Als Wesen sind wir schön.  Wunderschön.  Aber wir zerstören diese Schönheit nach und nach durch Handlungen wie Tratsch und Klatsch.  Wir sehen im Anderen nicht das göttliche Wesen, das er/sie ist, sondern besetehen darauf, dass der andere eben klein und schlecht ist - und wir übersehen, dass das, wie wir andere sehen, auf uns selbst zurückfallen wird.  Es ist nur eine Frage der Zeit, wie schnell das passiert.  Ich finde dieses Bild weiter oben wunderbar, denn es zeigt, was aus uns wird, im Inneren, wenn wir uns auf das vermeintlich Schlechte und Schwache der anderen konzentrieren und darüber reden oder anderen dabei zuhören, wie sie so über wieder andere reden.