
Entsteht Chaos, wenn Menschen versuchen, ordnend einzugreifen?
Unser Junge hat Ende August Geburtstag und wie so oft fiel dieses Fest in die Ferien. Was also lag näher, als das Feiern mit seinen Freunden zu verschieben? Unter verschiedenen Vorschlägen wählte er einen Besuch auf der Bowlingbahn.- und, naja, da war ich noch nie. Andererseits: Viele Kinder feiern ihren Geburtstag dort.
Wir buchten die Bahn via Internet, erhielten auch brav eine Bestätigung und gestern war es dann so weit: Mein erster Kontakt mit Bowling. Unser Sohn hatte drei Freunde dabei, seine Mutter und mich. Als erstes war ich überwältigt, wie groß diese Halle war. Und als nächstes staunte ich Bauklötze über die Heerscharen von Kindern und Jugendlichen, die auf über dreißig Bahnen die Hölle losließen. Wenn ich Recht erinnere, war eine einzige Bahn unbelegt.
Und folglich fand unser Bowling links und rechts zwischen zwei weiteren Kindergeburtstagen statt.
Was mir auf der Bahn rechts von uns am meisten auffiel, war der Enthusiasmus mit denen die Kinder dort spielten. Es war die schiere Leidenschaft und zügellose Begeisterung, die Kugel aufzunehmen und auf die Bahn zu hauen. Die Kinder, alle im Alter von etwa 9 oder vielleicht zehn, schrien, tobten, feierten, applaudierten und feuerten an, dass es eine wahre Pracht war. Es hat mir restlos gefallen!
Aber, wie das bei Kindern nun mal so ist, gerät dieser Freudentaumel allmählich an die Grenzen zum Chaos. Zumindest sieht es so aus - und es dauerte folglich nicht lange, bis der Vater eines der Kinder eingriff. Aber kaum dass er einmal eingegriffen hatte, musste er es immer wieder und immer öfter tun - und es dauerte keine zwanzig Minuten und alle Kinder, die noch zuvor kaum atmen konnten vor Vergnügen, saßen hier und da herum und hatten die Lust verloren. Das Spiel war zu Ende und nochmal fünfzehn Minuten später gingen sie nach Hause.
War das jetzt durch das permanente Eingreifen des besorgten Vater passiert oder waren die Kinder einfach nur müde geworden? Oder beides? Ich weiß es nicht - aber es brachte mich auf die Frage, ob wir Menschen Chaos erst dadurch auslösen, weil wir in die Vorgänge und Abläufe in der Natur eingreifen, oder ob wir Menschen nicht umgekehrt von der Natur dafür geschaffen wurden, immer wieder dort einzugreifen, wo Chaos die Schöpfung aus dem Gleichgewicht bringen würde.
Nehmen wir Energie. Durch den Hunger des Menschen nach Energiequellen haben wir die Erde in eine einzige Baustelle verwandelt, auf der wir nach Öl- und Gasquellen suchen, auf denen riesige Propeller stehen, Atommeiler, Kohle- und Wasserkraftwerke. Dem muss alles weichen. Der Mensch siedelt ganze Dörfer um und setzt riesige Landstriche unter Wasser, um einen Fluss aufzustauen und durch die Stauung Energie zu gewinnen. Es ist gar keine Frage, dass dadurch das dort herrschende Gleichgewicht völlig aus der Bahn geworfen wurde.
Aber umgekehrt ist es doch auch so, dass durch die technische Entwicklung des Menschen seine Lebensbedingungen um einiges besser geworden sind. Wir nehmen mehr Vitamine zu uns, werden älter, sind kreativer und mehr von unserer Intelligenz abhängig, als von unserer Körperkraft.
Tim Flannery zum Beispiel beschreibt in seinem Buch “Wir Wettermacher“, wie wir Menschen das Klima aus dem Gleichgewicht gebracht haben, wirft aber gleichzeitig die Frage auf, ob das nicht vielleicht so sein soll! Hat die Natur uns Menschen geschaffen, um das Wetter zu beeinflussen? War die Idee der Natur nicht vielmehr, den Menschen dazu zu bringen, seine Fähigkeiten dergestalt zu entwickeln, damit er das Wetter regulieren kann?
Klingt ziemlich nach der alten Frage: Was war zuerst: Huhn oder Ei?
Für mich ist es erstaunlich, auf welche Gedanken man kommen kann, wenn man Bowlingspielen geht …

#1 by emg on Dienstag, 8. September 2009
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Eine gute Frage. Ich stelle auch immer wieder fest, dass es so kommt, wie Du beobachtet hast. Einmal damit angefangen,in Vorgänge einzugreifen, macht immer weiteres “eingreifen” notwendig. Und die Lust vergeht dann auf beiden Seiten. Wie oft habe ich das als Lehrerin erlebt. Ich weiß nicht, wie das zu lösen ist.
#2 by cosplay on Freitag, 10. September 2010
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Ja, ich glaube, es ist entscheidend, dass man glücklich ist - und vielleicht muss man zuerst glücklich sein, ehe das Glück zu einem kommt und mit einem durch den Garten der eigenen Träume geht … nach dorthin, wo die eigenen Träume leben …