
Ich bin davon überzeugt, dass unsere Ziele in diesem Leben nichts weiter als eine Bühne dafür sind, spirituelle Gesetze und unsere Beziehung zu dem zu erkennen, was wir Gott nennen.
Vor einiger Zeit hatte ich die Idee, mich in einer bestimmten Branche und in einer sehr kleinen Nische einzunisten. Als erstes suchte ich nach Interessenten und Mitspieler aus dieser Nische. Das war leicht. Als nächstes nach einem Geschäftsmodell, das dort passte. Das war schon schwieriger. Mein Plan war, durch meine Vorleistung meine Partner mit mehr Interessenten zusammenzubringen, so dass sie bessere Chancen hätten, Geschäfte abzuschließen. In dem entstehenden Sog hoffte ich, mit nach oben zu treiben. Soviel zur Theorie.
Die Praxis gestaltete sich indes ganz anders. Mit großem Erstaunen stellte ich fest, dass über die anfängliche Begeisterung hinaus meine Partner keinerlei Veränderungen vornahmen. Sie unternahmen … gar nichts. Wie war das möglich? Jeder hatte vorher seine Ziele formuliert, war von der Idee begeistert - doch dann tat sich gar nichts. Ich war platt! Und dann frustriert. Es hatte nicht sehr lange gedauert, bis ich mich festgefahren, oder besser gesagt: bis ich mich festgebissen hatte. Also saß ich vor ein paar Wochen nachts auf meinem Balkon, betrachtete den Sternenhimmel und fragte mich „Wie komm’ ich weiter? Das was die da machen ist falsch …!“ Ich wollte den Durchbruch. Unbedingt. Aber so wohl eher nicht - ich hatte einen Fehler gemacht!
Auf der Suche nach Gott streift Peddar Zasq durch Indien und den Himalaya und trifft auf seiner Reise auf seinen Lehrer, der ihn schließlich zu Gott führen soll.
„Ich sage dir,“ sagt der ihm, „dass Gott sich von dir zurückzieht, wenn du voller Meinungen und Spekulation bist. Wie kann ich dir Gott zeigen, wenn du dich nicht zuerst all dieser weltlichen Dinge entledigst?“
Diese Stelle aus dem Buch Der Fremde am Fluss fiel mir ein. Ich saß auf meinem Balkon, blickte hinauf zu den funkelnden Sternen und dachte an dieses Zitat. In der Kontemplation passieren einem manchmal die merkwürdigsten Dinge. Wieso fiel mir grade dieses Zitat ein? Ich plumpste zurück in meinem Körper, fühlte den Stuhl unter mir und die Kissen, die meinen Rücken stützten. Also wartete ich ein bisschen, bis sich dieses Gefühl wieder auflöste und die Sterne über mir wieder klarer wurden. Dann begriff ich, dass meine Aufmerksamkeit nicht auf dem ECK oder dem heiligen Geist lag, sondern auf darauf, was meine Partner nicht taten und ich mir wünschte, dass sie es taten.
Es geschieht so leicht, dass wir vergessen, was wir sind und wozu wir hier in einem Körper auf der Erde leben. Wie schnell rutschen wir in die Idee, so oder so zu sein, statt unsere Aufmerksamkeit auf die Liebe zu lenken, die alles verbindet! Und hier, in dieser Nacht, saß ich in der Kontemplation auf meinem Balkon, blickte hinauf zu den Sternen und wurde mir klar darüber, dass der Schlüssel immer darin liegt, die Aufmerksamkeit auf eben die Liebe zu lenken - weg vom Genörgel und der damit verbundenen Unzufriedenheit. Alles war gut so wie es war und nichts musste so bleiben …
Also legte ich zuerst einmal meinen Kummer ab und ließ in mir die Freude über das Leben wieder zu. Ich ließ einfach los. Und kaum, dass ich das getan hatte, tauchte der Plan in mir auf, wie es weiter gehen würde. Der Plan war so klar und einfach, dass ich mich wirklich fragen musste, warum ich nicht schon viel früher drauf gekommen war. Es brauchte nur ein paar wirklich kleine Änderungen - und die Bereitschaft, auch meine Partner loszulassen. Sie taten, was sie taten - oder eben nicht. Davon hing gar nichts in meinem Leben ab. Aber, umgekehrt, durch ihre Bereitschaft, mitzumachen, hatten sie mir ermöglicht, einen Schritt zu machen, der richtig und wichtig war - auch wenn das Ergebnis ein anderes war, als ich erwartet hatte. Dieser Schritt war ein wichtiger Teil des neuen Plans, der vor meinem geistigen Auge aufgetaucht war.
Ich bin davon überzeugt, dass unsere Ziele in diesem Leben nichts weiter als eine Bühne dafür sind, spirituelle Gesetze und unsere Beziehung zu dem zu erkennen, was wir Gott nennen. Gott, für mich, ist nicht ein netter, älterer, weißbärtiger Herr, der irgendwo im Himmel auf einem Thron sitzt und darauf wartet, das wir den Rest der Ewigkeit zu seinen Füßen ‘rumsitzen. Vielmehr glaube ich, dass Gott ein Prinzip, ein erfahrbares Prinzip ist. Ich erfahre es in nächtlichen Träumen oder in der Kontemplation in Form von Licht- oder Tonerfahrungen. Aber genauso wichtig wie diese Erfahrungen mit Licht und Ton sind unsere Alltagserlebnisse - ist die Bühne, auf der wir unser Leben gestalten. Dort erleben wir hautnah, wie sehr wir dieser Kraft, dieser Beziehung zu Gott, vertrauen - wie sehr wir tatsächlich realisiert haben, was wir sind und wozu wir hier sind. Vollgestopft mit Meinungen darüber, was gut und schlecht, richtig und falsch ist, suchen wir Gott (oder die richtige Lösung) dort, wo sie nicht ist - wir tapsen herum auf der Suche nach der Brille, die wir auf der Nase haben …
Ich war so sehr damit beschäftigt, wie falsch das war, was meine Partner taten, dass ich völlig ausblendete, wie dieser göttliche Geist schon alles dort hin gelenkt hatte, wo die Bühne eine größere wurde …
