
In einem starken Traum können Pflanzen und Bäume auch dort existieren, wo sie sonst keine Lebensgrundlage haben.
…kennen Sie sicherlich. Es ist ein altes Lied. ...die Tiroler sind froh, sie verkaufen ihre Betten und schlafen auf Stroh. Durch Andreas Hofer ist ja auch ihr Freiheitsdrang dokumentiert.
Ich habe noch ganz andere Wesenszüge an ihnen festgestellt. (Bitte glauben Sie nicht, dass meine Beobachtungen repräsentativ sind. Sie beziehen sich nur auf ein kleines Dorf in Tirol). Sie sind geschäftstüchtig, ja , das beweist das Lied vom Stroh, aber auch die Touristikstatistik. Sie sind gradlinig. Was sie wollen, wollen sie. Was sie fühlen, fühlen sie und stehen dazu.
Warum wird man als Franzose oder als Tiroler geboren? Warum in einem kleinen Dorf in den Alpen? Wenn ich Lebensläufe und Geschichten von dort verfolge, bin ich immer wieder überrascht, mit welcher Direktheit und Unmittelbarkeit sich das Leben dort abspielt. Wenn das Leben eine Schule ist, dann findet sie dort im Schnellkochtopf statt.
Es gibt schreckliche Geschichten, wie Menschen dort ihr Leben schon beendet haben. Ich kann nie ohne Grausen an einer bestimmten Stelle talabwärts vorbeifahren, wo der Koch den Helm abnahm und mit dem Motorrad losfuhr. Auch die Geschichte mit der Kettensäge ist einfach grauslich.
Da gibt es einen Mann. Groß und kräftig, mit einem gewaltigen Unterbiss. Ein Prachtstück. Er arbeitet bei der Gemeinde und ist für die Instandhaltung der Wanderwege verantwortlich. Er ist im Glück. Er ist immer draußen, in der Natur, atmete seine Tiroler Luft und wundert sich, dass er dafür auch noch bezahlt wird. Einmal fuhren sie auf Drängen seiner Frau in den Urlaub nach Deutschland. Sie waren schon den zweiten Tag unterwegs, passierten gerade Köln, als er am Autobahnkreuz plötzlich und ohne ein Wort zu sagen, umkehrte und heimfuhr. Erst zuhause konnte er wieder richtig atmen. Er war wieder am richtigen Platz.
Aber eigentlich möchte ich ihnen von meiner Freundin G. erzählen.
Sie ist dort geboren und kennt alle und alles. Wenn Fragen auftauchen, so weiß sie immer etwas dazu zu sagen und es hat Hand und Fuß. Sie weiß, wo bestimmte Kräuter wachsen, die schon ihre Oma zu Heilmitteln verarbeitet hat. Für alles mögliche hat sie Tees und Salben. Aber nicht nur dies. Vor ein paar Jahren erzählte sie mir von einer Begegnung mit einem kürzlich Verstorbenen. Er war in der Kirche aufgebahrt und sie wollte für ihn beten, betrat die Kirche und da saß er zu ihrem Entsetzen. Er hatte ein Anliegen und bat um ihre Hilfe. Natürlich konnte sie ihm helfen.
Sie blieb bei ihrem Mann, bis die Tochter erwachsen war. Dann trennten sie ihr Haus der Firstlänge nach. Mit einem neuen Lebensgefährten baute sie Haus und Garten um. Sie vergrößerte ihre Räume. Dann lernte sie ihren zweiten Mann kennen und wieder vergrößerten sie das Haus. Sie hat einen ausgeprägten Form- und Farbensinn. Das kann man gut sehen, wenn die Räume noch unmöbliert sind, Dann aber füllt sich das Haus - mit Pflanzen aller Art. An jeder Ecke und jedem nur möglichen Plätzchen stehen Pflanzen. Und sie gedeihen alle. Manchmal nimmt sie sterbende Pflanzen aus dem Supermarkt mit und verhilft ihnen wieder zu Kraft und Schönheit. Von allen möglichen Plätzen nimmt sie Pflanzen, Stecklinge und Samen mit und gibt ihnen zuhause einen neuen Platz.
Es dauerte nicht lange, bis sie neue Pläne hatte. Sie übergab das Haus ihrer Tochter und baute mit ihrem Mann drei Häuser weiter ein heruntergekommenes Haus zu einem wahren Schmuckstück um. Dieses mal vergrößerte sich vor allem der Garten. Ich war zufällig da, als sie ihn in Angriff nahm. Sie stand kurze Zeit sinnend da, dann begann sie mit dem Gestalten. Nein, sie habe keinen Plan, sagte sie. Das ergebe sich.
Der Garten ist so schön, dass viele Menschen stehen bleiben oder auch extra einen Spaziergang dorthin machen. Sie lebt auf 1100m Meereshöhe, aber ihre Weinstöcke sind angewachsen und gedeihen, ihre Akazie, die echte, die nur südlich der Alpen wachsen kann, gedeiht ebenfalls. Von manchen Pflanzen kennt sie nicht einmal den Namen und das ist ihr auch gar nicht wichtig. Sie sind einfach.
Da lebt sie in ihrem kleinen Paradies, ihre Enkel lieben sie, ihre Bewunderer verehren sie, ihre Kritiker finden auch etwas. Man sollte meinen, dass ihr Leben in diesen gewählten Bahnen weiter laufen könnte.
Nein.
Die Winter sind zu lang, der Schnee zu Kräfte raubend. Wieder einmal fühlt sie, dass sich ihr Leben verändern muss und sie gibt diesem inneren Sehnen, Fühlen, Drängen - Raum. Sie ist bereit, Heimat, Kind, Enkel, Haus, Freunde, Wurzeln aufzugeben und sich neuen Räumen zu öffnen. Und ja, sie haben sich schon umgeschaut, ja, sie wollen in die Steiermark, dies sei die Toskana von Österreich und ja, sie hätten da schon ein Objekt im Auge. Zehn Hektar groß - z e h n! Mit Wald und Wiesen und Haus und natürlich mit einem riesigen Garten, der jetzt noch im Dornröschenschlaf schlummert, so viel ist sicher. Ja, sie hätten ihr Haus schon der Maklerin übergeben und mit dem Erlös könnten sie das Objekt in der Steiermark bezahlen.
So!
Ich bin einfach überwältigt, wenn ich Menschen erlebe, die so direkt und kompromisslos in der Lage sind, ihr Leben zu verändern, mit dem Leben mitzugehen. Sie überwinden Hindernisse, sie finden Möglichkeiten. Wege tun sich auf. Türen öffnen sich.
Wenn man in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes lebt, geschieht alles wie im Traum. Kein Aufwand ist nötig …
Ist dies nicht ein großartiges Beispiel dafür? Scheinbar mühelos verändert sich durch sie, was verändert werden sollte. Sie fühlen das, ohne dass sie es als solches bezeichnen könnten. Sie wissen, wo ihre Stärken liegen , die ihnen helfen, ihr inneres Sehnen zu erfüllen.
Ich bin begeistert.

#1 by mala on Donnerstag, 16. Juli 2009
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eine einfach wunderbare Geschichte, da muß ich viel drüber nachdenken!
#2 by mala on Donnerstag, 16. Juli 2009
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ich bewundere die Menschen welche sich so bedingungslos dem Lebensfluss hingeben können, ich hoffe ich kann das auch eines Tages….