
Träume leben ist ein bisschen wie Jagen. Man muss sich ganz darauf einlassen und riskieren, mit leeren Händen nach Hause zu kommen.
Ich kenne meinen Schwiegersohn schon lange. Er ist nämlich der Sohn meiner besten Freundin.
Er ist 1968 geboren und seine Eltern waren damals richtige 68er. Sein Motto oder Traum lautet Durchkommen. Für diese Idee ist er gut ausgerüstet worden. Schwierige Situationen wie Trennung von wichtigen Personen oder Scheidung der Eltern ließen ihn innerlich wachsen und stärker werden. Er lernte dabei, für sich zu sorgen. Er war noch nicht einmal 5 Jahre alt, als er mit seinen Schätzen loszog, um sie auf der Neckarbrücke zu verkaufen. Das ging ziemlich schief, weil aufmerksame Menschen das merkwürdig fanden, seine Schätze in Augenschein nahmen, eine wertvolle Kette entdeckten, überhaupt ein Kind ohne Aufsicht empörend fanden und sie ihn unter seinem riesigen Protest nach Hause schleppten. Eigentlich hatten sie ihm nicht einmal zugetraut, dass er den Weg nach Hause wisse und ihn zur Polizei schleppen wollen. Das konnte abgewendet werden. Aber seine bis dahin ahnungslose Mutter hatte große Mühe, der aufgebrachten Retterin klar zu machen, dass dieses Kind sehr aufgeweckt sei, ja, sich sehr gut orientieren könne und ja , auch diese Kette sein Eigentum sei und obwohl wirklich wertvoll, ja, er damit machen dürfe, was er für richtig halte.
In der Pubertät war er schwierig für seine Eltern - natürlich. Er hatte ausgeprägte Vorstellungen von seinen Zielen. Natürlich reichte sein Taschengeld nie.
Einmal wünschte er sich ein helles Jacket, das aber das Budget bei weitem überstieg. Da schnappte er sich die Nähmaschine seiner Mutter, nahm ein Laken und verschwand für 3 Tage in seinem Zimmer. Danach präsentierte er sich in Hose und Jacket. Eisern hatte er daran gearbeitet, sich seinen Wunsch zu erfüllen, obwohl er zuvor noch nie genäht hatte. Ich kann auch einfachere Dinge nähen, aber es ist mir bis heute ein Rätsel, wie er das geschafft hat.
Als junger Mann begann er zu studieren, verwirklichte aber nebenher schon Geschäftsideen. Er wollte in jeder Hinsicht selbständig sein. Er brachte Künstler auf die Bühne. Wir trafen ihn mal in Südfrankreich in den Ferien. Er verdiente sich Geld mit einer Jugendband, die in Ferienorten tingelte.
Einmal organisierte er ein Gastspiel in der Nähe meines Wohnorts und fragte um Quartier für seine Künstler in unserem Haus. Es waren zwei Amerikaner, - ein Pantomime und ein Klavierspieler - hinreißende Menschen. Bei dieser Gelegenheit kamen sich auch meine Tochter und er näher.
Richtung dreißig stellte er mit Verwunderung fest, dass seine Freunde begonnen hatten, seßhaft zu werden und sich Häuser zu bauen, sozusagen zu etablierten Menschen wurden. Und er fand das plötzlich auch erstrebenswert und sinnvoll.
Nicht lange danach erfüllte er sich diesen Wunsch. Sie kauften sich im teuren München ein Quattro -Haus. Klingt gut, gell? Heißt aber bei genauerem Hinschauen Viertelshaus. Es war klein. Da sich die Familie vergrößerte, nicht aber das Haus und die Abzahlungen drückten, beschloss die Familie, weiter hinaus zu ziehen - Richtung billiger und größer. Das wurde spannend.
Wer schon einmal ein Haus gesucht hat, weiß, welche Abenteuer man dabei erlebt. Da platzen Notartermine und Sehnsüchte wie Luftballons.
Der Suchradius wurde immer größer und auch der Frust. Und plötzlich war es da. Gerade hatte meine Tochter gesagt, dass nun das Haus Y genommen werde, und sie nicht bereit wäre, weiter zu suchen, ja sie ganz bestimmt nicht auf den Bildschirm des Rechners schauen würde, selbst, wenn darauf ein Schloss wäre. Natürlich schaute sie dann doch hin, und auch sie wusste sofort, das war es.
Es ist ein schönes, großes Haus - ein Traumhaus und - teurer, als das Münchner Haus. Aber, das macht nichts, sagt mein Schwiegersohn, er habe da schon eine neue Geschäftsidee.
Neulich saßen wir beim Frühstück und der kleinste Junge erzählte, er habe am Morgen schon den Dampfer tuten hören. “Ich glaube, es war die Herrsching,” sagte er. Mein Schwiegersohn empfand dies als eine Offenbarung. ” Mein Sohn kann hier an diesem wunderschönen Ort leben und morgens den Dampfer hören. Gibt es etwas Tolleres.”
Und weil seine Augen so leuchteten, wie sie immer leuchten, wenn ihm etwas gelungen ist und er ein Stück Traum einfangen konnte - deshalb musste ich Ihnen heute diese Geschichte aufschreiben. Aber auch, weil es so erstaunlich ist, welche Dynamik Träume entwickeln können. Da geht die Erfüllung des Traumes weit über das Vorstellungsvermögen hinaus.

#1 by Anne on Montag, 13. Juli 2009
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Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel, der mein Herz berührt. Er zeigt einfach, was möglich ist, wenn man den Träumen, die in der Seele sind, folgt und sich selbst vertraut.
Ich glaube allerdings auch, dass man das über mehrere Inkarnationen trainiert. Manche Menschen haben es in früheren Inkarnationen trainiert und schaffen es in diesem Leben dadurch leichter, Träume zu verwirklichen. Andere trainieren noch fleißig in dieser Inkarnation mit dem Selbstvertrauen und dem Verwirklichen der Träume. Ihnen fällt es manchmal schwer, die Disziplin aufzubringen, an die eigenen Träume zu glauben und diese zu verwirklichen.
Ich freue mich auf weitere so wunderbare Artikel.
Liebe Grüße
Anne
Liebe Grüße
Anne