Konzentriere deine Aufmerksamkeit auf die innere Musik, auf den Ton, der du bist - das alleine wird deine Freiheit grenzenlos machen.

Konzentriere deine Aufmerksamkeit auf die innere Musik, auf den Ton, der du bist - das alleine wird deine Freiheit grenzenlos machen.

Ein weitläufig Bekannter führt und besitzt ein mittelständiges Unternehmen.  Er kauft überwiegend in Asien und China ein und verkauft in Europa.  Ein Problem, das viele Mittelständler lösen müssen, ist das Währungsproblem:  Man kauft in Dollar und verkauft in Euro.  Für einen normalen Kunden wie mich ist das belanglos, für Unternehmen kann das über Leben und Tod entscheiden.

Mein Bekannter betrieb also Währungskompensationsgeschäfte:  Er kaufte Dollar, um Devisen für den Einkauf seiner Waren zu haben und in den letzten Jahren war er dabei sehr erfolgreich gewesen.  Er hatte nicht nur mit seiner Handelsfirma verdient, sondern auch mit den Währungsgeschäften.  Dann kam der Moment, wo im letzten Jahr die Weltwirtschaftskrise herauf dämmerte.  Jeder wusste, dass es richtig krachen würde, nur keiner wusste, wie sehr.  Er blieb in Dollar und wartete.  Schließlich hatte er ein Händchen …

Sein Geschäftsführer wurde nervös.

“Wann hab ich mich je geirrt?” fragte er zurück und lächelte breit.

Der Tag verging, der Dollar fiel.  Der Banker rief an …

“Wann hab ich mich je geirrt?” fragte er ins Telefon und lächelte breit.

Noch ein Tag verging, der Dollar fiel weiter.

“Du musst da raus - sofort!” sagte sein Geschäftsführer, aber er blieb gelassen.

Der Dollar fiel weiter und noch weiter und noch weiter und schließlich zog mein Bekannter die Reißleine.  Er hatte in wenigen Tagen ein Vermögen verloren und mit diesem Verlust kippt jetzt auch sein Handelsimperium gefährlich zur Seite.  Die Hälfte der Belegschaft ist schon entlassen, die Umsätze in den Keller gekracht, die Banken stehen täglich nervig auf seinem Schreibtisch.

Die Linie zwischen Stärke und Sturheit ist schmal.

Vor ein paar Tagen bin ich einem anderen Bekannten begegnet.  Ein Träumer.  Er hatte ein bisschen Geld geerbt und musste nicht arbeiten - jedenfalls nicht viel.  Irgendwann war er auf die Idee gekommen, in eine abstürzende Firma zu investieren, um sie zu sanieren und weiter zu verkaufen.  Ein Traum, den viele träumen.

“Du spinnst,” sagte ihm seine Frau und alle seine Bekannten stießen ins gleiche Horn. Er aber ließ sich nicht beirren.  Aus seiner Sicht zeigte er Stärke.

Man muss an seinen Traum glauben,” war sein Lied, “und man darf nie nie nie aufgeben!“  Naja, schön, wenn man Träume hat …

Er kaufte sich also in diese Firma ein, entwickelte mit dem vorherigen Eigentümer, der jetzt sein Partner war, ein Sanierungskonzept.  Sie strafften die Produktion, schnitten die Kosten zurück, verstärkten die Verkaufsbemühungen.  Ohne Erfolg.  Die Umsätze sanken weiter, das eingeschossene Kapital schmolz rasch dahin.

“Wir dürfen nicht aufgeben,” sang er sein Mantra weiter und hielt eisern an seinem Plan fest.  Aber es kam noch schlimmer.  Der vorherige Eingentümer warf das Handtuch und stieg aus.  Er könne die nervliche Anspannung einfach nicht mehr ertragen.  Und es war höchste Zeit, aufzugeben, wenn er nicht wirklich alles verlieren wollte.

“Wir dürfen nicht aufgeben,” sang mein Bekannter sein Lied unbeirrt weiter, strich weitere Produkte, versuchte erfolglos frisches Kapital aufzubringen und suchte noch mehr im Verkauf die Entscheidung - bis vor drei Tagen eine große Firma einen Millionenauftrag unterschrieb - und von jetzt auf nachher regnete es Gold vom Himmel.

Wie schon gesagt, die Linie zwischen Stärke und Sturheit ist sehr schmal.

Wie weiß man, wann man stur ist und wann stark?  Offen gestanden: Ich weiß es nicht!

Zu Hause haben wir einen kleinen, wundervollen Kater.  Vor einiger Zeit hatte der entdeckt, wo er unter dem Netz vor dem Balkon durchschlüpfen kann, um sein Reich um die Wohnung des Nachbarn zu erweitern.  Er liebt die Freiheit mindestens so sehr wie ich.  Irgendwann im Morgengrauen kam er dann auf dem dünnen Balkonhandlauf entlang balanciert, um wieder dort einzutauchen, wo er seinen Futternapf wusste und um ihn vor einem Sturz in die Tiefe zu schützen, verschloss ich die Schlupflöcher.

In der Kühle der vergangenen Nacht, saß ich auf dem Balkon und kontemplierte darüber, wie ich zu mehr innerer Freiheit kommen könnte.  Da bemerkte ich unseren Felix, wie er, wie in so vielen Nächten davor auch schon, versuchte, sich seinen Weg zum Nachbarn zu erkämpfen.  Unbeirrt kratzt er immer wieder an der Stelle, an der er schon einmal entkommen konnte!  Ich hatte aber an genau dieser Stelle zwei Bretter auf das Netz gelegt - und er hat noch nicht verstanden, dass er, solange er auf diesen beiden Brettern drauf steht, selbst verhindert, dass er entkommen kann.

Als ich das vergangene Nacht beobachtete, lag es nahe, nach innen zu fragen, was wohl meine Bretter sind, auf denen ich stehe und durch die ich mir selbst den Weg in eine größere Freiheit verbaue.

“Es ist deine eigene Vorstellung,” hörte ich den inneren Meister sagen.  “So lange du nach mehr Freiheit suchst, kannst du sie nicht haben, denn wenn du sie hättest, müsstest du ja nicht nach ihr suchen.  Du selbst also bist das Hindernis.  Kontempliere Freiheit und nur Freiheit und kümmere dich nicht um Begrenzungen oder Widerstände - lerne,  auf den Druck zu achten, ohne dich  bedrängen zu lassen und konzentriere deine Aufmerksamkeit auf die innere Musik, auf den Ton, der du bist.  Das alleine wird deine Freiheit grenzenlos machen …”

Die Linie zwischen Sturheit und Stärke ist schmal.  Wir lernen durch Erfahrung und wir erlauben der Erfahrung, uns zu zeigen, wieviel Unterscheidungsvermögen wir schon entwickelt haben.  Das ist alles.