Tibetische Gebetsfahnen im Wind

Schreiben Sie Ihre Wünsche auf - wie Tibeter ihre Gebete auf ihre Gebetsfahnen

Er gehörte zu meinen besten Freunden.  Wir verbrachten die Ausbildung miteinander, verloren uns danach aus den Augen.

Er wurde drogensüchtig, dealte, wurde verhaftet und erhielt eine  Bewährungsstrafe. Danach neuer Drogenkonsum.  Beim Versuch, Haschisch aus Afrika nach Spanien einzuschleusen, erneut verhaftet.  Saß ohne Anklage ein ganzes Jahr lang im Gefängnis.  Lernte Spanisch und wurde schließlich von heute auf morgen aus dem Gefängnis rausgeworfen.  Ohne Anklage, ohne Strafe.  Die Drogen waren weg.  Die Sucht aber auch!

Zurück in Deutschland trafen wir uns.

Drogen?  Er?

„Du taumelst da hinein, spielst damit herum, beschließt aufzuhören,“ sagte er, „und du meinst es ernst!  Dann kommt der Entzug.  Du wehrst dich.  Aber je mehr du zappelst, desto mehr kreisen deine Gedanken um Stoff.  Alles andere verschwindet.  Es nimmt ganz und gar Besitz von dir.  Du denkst nur noch daran, begehrst es, gierst danach.  Du willst es, unbedingt - du brauchst es!  Noch ein einziges mal!  Einen allerletzten Schuss!  Du gibst auf, setzt dir den Schuss, öffnest den Riemen und dein Hirn explodiert.  Du hältst die Luft an, deine Adern stehen vor dem Platzen.  Und dann, wenn der D-Zug dein Hirn und deinen Bauch verlassen hat, wenn es ein bisschen nachlässt, wenn der Alltag wieder nach dir greift, dann sinkst du in dich selbst hinein und sagst dir: Ich bin halt so! …“

Wir blieben ein paar Wochen zusammen.  Auf der Suche nach einem Therapieplatz wurde er fündig.  Der Haftbefehl wurde außer Vollzug gesetzt.  Nicht, dass er die Therapie noch gebraucht hätte.  Er brauchte nur den Platz, um neu anzufangen.  Er war Ende zwanzig und sein Leben fing gerade erst an.

Es gab dort sonntags keine Brötchen.  Also buk er welche.  Fand Gefallen am Backen, am Duft, am Rohstoff, am Handwerk.  Grub sich tiefer in die Materie.  Gründete zusammen mit dem Therapieanbieter eine kleine Bäckerei, die er als Geschäftsführer leitete, und in der er selbst eine Bäckerlehre begann.  Ein Bäckermeister im Ruhestand wurde eingestellt und drei Jahre später schloss mein Freund seine Lehre mit Auszeichnung als bester Geselle des Landes ab.  Wir telefonierten und sein Enthusiasmus und seine Lebensfreude ließen den Hörer vibrieren.  Er meinte, dass mit 31 das Leben erst wirklich beginnt.  Alles davor sei nur Training.

Er wurde Bäckermeister, heiratete, bekam Kinder, eröffnete eine eigene Bäckerei …

Warum hat die Therapie bei dir funktioniert und bei sovielen anderen nicht?

„Erst muss sich etwas in dir ändern.  Tief in dir.  Und wenn das geschehen ist, dann ist die Therapie nur noch eine Urkunde, nur noch eine Bestätigung.  Es ist, als ob du erst das Königreich der Himmel in dir finden musst, und dann geschieht alles wie in einem Traum …“

Ich habe ihn aus den Augen verloren - und dennoch nie vergessen.  Eine außergewöhnliche Begegnung.

„Suchet zuerst das Königreich der Himmel …“

Nehmen Sie sich ein bisschen Zeit.  Setzen Sie sich hin, entspannt.  Legen Sie die Hände in Ihren Schoß und entspannen Sie.  Zaubern Sie ein Lächeln in Ihr Gesicht.  Schließen Sie Ihre Augen, richten Sie Ihre Aufmerksamkeit ganz sanft auf das dritte Auge, eine Stelle etwa zwischen den Augen.  Schauen Sie ganz sanft.  Dann singen Sie Hjuuuuuu … sanft.  Ganz sanft.  Ein paar Mal.  Warten Sie auf das Licht und/oder den Ton …

rk-f