Selten hat ein Hindernis etwas mit einem Ziel oder einem Wunsch zu tun, sondern mit Angespanntheit. (Die Flöte Gottes)

In ECK gibt es weder Glück noch Unglück. Also machen wir das Beste aus dem was ist.
Dieser Tage rief ein Freund an.
“Es ist unglaublich, wie sich die Geschäfte entwickeln,” sagt er. “Es läuft sagenhaft gut! Weißt du, was ich gelernt habe?” fragte er weiter. “Ich habe gelernt, loszulassen, ohne loszulassen …”
Was für ein Satz! Wie kann man etwas loslassen, ohne es loszulassen?
Vor Jahren betrieb ich ein kleines Kiosk. Genau gegenüber meines Ladens war noch ein weiterer Laden, der aber leer stand. Immer wieder kamen Leute in mein Geschäft und fragten, wem denn wohl dieser leer stehende Laden gehöre - und eins ums andere Mal war ich verwundert weil ich mich sagen hörte: “Der gehört mir …” Irgendwann dachte ich mir schließlich, ich sollte vielleicht doch mal zur Eigentümergesellschaft gehen und fragen, ob der Laden zu vermieten sei. Also ging ich hin.
Ein grimmig dreinblickender Herr war Chef der Vermietungsabteilung. Er bot mir einen Platz an, ich trug mein Anliegen vor.
“Das ist wirklich schade,” sagte er, “erst vor ein paar Wochen haben wir den Beschluss gefasst, die Räume umzubauen und wieder in Wohnungen umzuwandeln. Der Laden war einfach nicht zu vermieten.”
Ich nickte erst, zuckte dann mit den Achseln. “Mit wem könnte ich denn da noch mal reden?” hörte ich mich selbst sagen und fragte mich im selben Augenblick, warum ich das wohl tat. Grimgrom gegenüber lächelte ein wenig steif.
“Da können Sie mit niemandem mehr reden, denn zum einen, das sagte ich ja schon, ist die Sache entschieden. Zum anderen wurden auch schon Förderanträge beim Land eingereicht, um den Umbau zu finanzieren. Wie gesagt, sie sind ein bisschen zu spät.”
Grimgrom lächelte immer noch steif und ich sah sein Lächeln sterben, als ich mich sagen hörte: “Ah, schon entschieden. Schade. Sagen Sie, mit wem könnte ich da noch mal drüber reden?”
Um ehrlich zu sein, ich war über meinen Satz mindestens so erstaunt wie mein Gegenüber, der jetzt deutlich grimmigere Züge bekam und sich nach vorn beugte.
“Hören Sie,” brummte er drohend, “Sie scheinen nicht verstehen zu wollen! Diese Sache ist entschieden. Endgültig. Sie können mit niemandem mehr reden, denn wenn Förderanträge einmal gestellt sind, lässt sich das nicht mehr zurück nehmen! Dann geht alles seinen Gang!”
Seine Augenbrauen hatten sich über seiner Nasenwurzel zusammengezogen und mir war klar, dass das jetzt mein Signal war, zu gehen.
“Ja,” hörte ich mich sagen, “das ist natürlich schade, aber wenn die Förderanträge mal gestellt sind, geht alles seinen Gang, das verstehe ich sehr gut - sagen Sie, mit wem könnte ich denn darüber noch mal reden?”
Die eintretende Stille war schneidend und ich fragte mich ernsthaft, ob ich noch bei Sinnen war. Die Atmung meines Gegenübers wurde hörbar und es schien nur noch eine Frage von Augenblicken, bis er seine Beherrschung verlieren, und mir an die Kehle gehen würde. Schließlich sagte er leise, mit ziemlich dünner Stimme und bis zum Äußersten angespannt:
“Wie ich schon sagte, da ist alles entschieden, aber wenn Sie meinen, es doch besser zu wissen, dann reden Sie halt mit unserem Prokuristen.”
Er beschrieb mir den Weg, ich lächelte freundlich und folgte seiner Weisung. Zehn Minuten später sprach ich mit dem Prokuristen, der sein Büro nur zwei Stockwerke höher hatte. Fünf Minuten nach unserer Begrüßung hatte ich einen Termin beim Hausmeister, der mir tags darauf die Schlüssel gab, um mir alles anzuschauen. Und zwei Wochen später unterschrieb ich einen Mietvertrag, der ganz nach meinen Wünschen gestaltet war. Mein Traum, noch einen zweiten Laden zu haben, genau zehn Meter entfernt von meinem augenblicklichen, hatte sich mehr als erfüllt. Er war genau so groß wie der, den ich schon hatte, aber im Gegensatz dazu, schloss sich eine Wohnung mit 5 Zimmern und rund 130 Quadratmetern an - im Preis inklusive.
Mein Vorgehen in dieser Sache war nicht geplant. Ich will das gerne zugeben. Und vom Ergebnis war ich selbst am meisten überrascht. Trotzdem zeigt diese Geschichte deutlich, was es bedeutet, entspannt zu bleiben, losgelöst, ohne deshalb aufzugeben.
Wei Wu Wei ist das Prinzip, zu handeln, ohne zu handeln, den Dingen ihren Lauf zu lassen, ohne allzusehr einzugreifen. Es bedeutet aber aus meiner Sicht keineswegs, passiv und gleichgültig zu sein. Viel mehr ist es ein Zustand der Aktivität und Kooperation mit dem ECK, oder dem heiligen Geist, wie das in den christlichen Religionen heißt. Sie wissen, dass Sie Ihr Ziel erreichen, auch wenn sie in diesem Augenblick vielleicht nicht genau wissen, wie. Aber da Sie wissen, dass Sie Ihr Ziel erreichen, wozu sich also anspannen und zweifeln?
Anspannung führt dazu, dass sich das Herzzentrum schließt und Spirit, das ECK oder der heilige Geist, nur noch spärlich fließen. Sie selbst schneiden sich dadurch den Kontakt zur Quelle ab. Es ist, wie Paul Twitchell sagte:
“Hindernisse haben mit Anspannung zu tun.”
Und trotzdem gehört Anspannung zu unserer alltäglichen Erfahrung. Durch sie erfahren wir den Genuss von Entspannung. Beides gehört zusammen. Wenn Sie versuchen, gegen die Anspannung zu kämpfen, wird sie eher größer. Was tun?
Wie schon öfter auf diesem Blog gesagt: Gehen Sie doch mal wieder in Ihre Kirche und suchen Sie die Stille. Vielleicht im Gebet, oder in der Andacht. Wenn Sie eher in Richtung Buddhismus neigen, suchen Sie die Stille in der Meditation. Vielleicht suchen Sie aber auch eine andere Lösung. Dann empfehle ich Ihnen das HU, ein altes Wort für Gott, dass auch im Ausdruck “Allah HU Akbar” enthalten ist und in seinen Abwandlungen heute noch im Halleluja zu hören ist.
In ECK gibt es weder Glück noch Unglück, heißt es, also machen wir das Beste aus dem, was ist. Was auch immer kommt, bleiben Sie entspannt, lassen Sie los - aber behalten Sie Ihr Ziel fest im Auge!

#1 by Eva on Sonntag, 17. Mai 2009
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Bei meinem nächsten Hindernis werde ich ebenso handeln. Ich werde also gelassen bleiben, total cool, völlig entspannt, ohne jegliche Aggression - UND DABEI MEIN ZIEL KEINESFALLS AUS DEM AUGE LASSEN. Es wird mir nicht entkommen.
emg